Die lange Nacht der Grammys liegt hinter uns, es wurde viel gefeiert und getrunken. Nur Amy Winehouse hat nicht mitgemacht, sie entsagte dem Rausch und setzt ihre Entziehungskur fort. Mit fünf der begehrten Preise wurde ihre Musik ausgezeichnet, sie musste aus dem fernen London zusehen. Christian Kortmann bemerkt in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung , dass die "virtuelle, da abwesende Amy Winehouse" im Laufe des Abends immer größer wurde, "wie eine Computerspielfigur, die Bonuspunkte verspeist und an Macht gewinnt". Die Grammy-Gala sei "die langatmigste aller Award-Shows. Das liegt zum einen an der – im Vergleich zu den Oscars – Abwesenheit großer Rhetorik-Komödianten vom Schlage eines Robin Williams oder Billy Crystal, zum anderen daran, dass von den vier 'Haupt'-Grammys (Beste Single, Bestes Album, Bester Songwriter, Bester Nachwuchskünstler) nur einer pro Stunde verliehen wird. Die Zwischenzeit wird mit manchmal albernen Programmpunkten wie einem Beatles-Musical oder der unbedingt notwendigen Paarung einer Rockband wie den Foo Fighters mit einem Streichorchester gefüllt."

Steinmetze tun es, Totengräber leben davon — aber auch Journalisten machen ihre Geschäfte mit dem Tod. Die weltgrößte Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat einen Nachruf auf Britney Spears verfasst. Der schlechte psychische Zustand der 26-jährigen Sängerin wird in den Nachrichten weitläufig verhandelt, tot ist sie aber noch nicht. Thomas Schulers Artikel in der SZ regt zum Nachdenken an: "Ausschlaggebend war, dass sich Spears von ihrer Krise offensichtlich nicht erholt. Sie sei allerdings nicht die erste Person unter 30 Jahren, für die AP einen Nachruf vorbereitet habe. [...] Die Sängerin Amy Winehouse sei ebenfalls seit einiger Zeit 'auf dem Radar' von AP. Die entsprechende Überlegung sei einfach und orientiere sich an zwei Fragen: Ist es wahrscheinlich, dass sie stirbt? Und wie groß wäre die Nachricht in ihrem Todesfall?" Nachrufe sind beliebt, aus Gründen der Arbeitsökonomie werden sie auch schon mal vorproduziert. Drücken wir Britney Spears trotz allem die Daumen, dass sie noch ein wenig durchhalte!

Das Interviewmagazin GALORE traf sich mit Lenny Kravitz in Miami. Der Autor Sascha Krüger beschreibt die Umstände des Treffens: Auf die Listening-Session folge das Interview. Der Assistent Todd ermahne die Journalisten regelmäßig, ausschließlich Fragen zum neuen Album zu stellen. "Dann folgt der Test: 'Zeig mal deine Fragen', sagt er. 'Ist alles nur zu deinem Besten.' 20 Minuten lang werde ich einer strengen Prüfung unterzogen, einiges wird aussortiert." Ungeachtet der Fragen spricht Kravitz im Interview ohnehin nur von Liebe, der Revolution und seinem neuen Album It Is Time For A Love Revolution . Seine Tochter besucht eine Waldorfschule, denn "dort werden genau die Werte vermittelt, die auch mir wichtig sind. Kinder in diesem Alter können sehr unsensibel, brutal und gemein sein, doch dort sind alle unverdorben, sensitiv und künstlerisch."

JUICE heißt das größte HipHop-Magazin Deutschlands. Hier findet man die hässlichsten Anzeigen: Gangster aus der Vorstadt präsentieren Kleidung in schlechtem Licht. Die Grafiker probieren alle Filter aus, die Photoshop hergibt. Den Titel zieren die wiedervereinigten Dynamite Deluxe aus Hamburg. Nach einer siebenjährigen Pause haben sie gerade ein neues Album veröffentlicht. Der Rapper Samy Deluxe gibt sich gewohnt großspurig: "Als Gruppe in der Gesamtheit können wir sicher noch mal einen neuen Maßstab setzen. Und die Leute werden auch hören, dass ich nach wie vor einer der ein, zwei besten Rapper in Deutschland bin [...] Mittlerweile wissen die Leute, wer ich bin und wofür ich stehe. Es geht nur noch darum, gute Tracks zu machen und ein perfektes Album abzuliefern."

Ein Gespräch mit dem Gangsta-Rapper 50 Cent darf in der JUICE nicht fehlen. Nur was fragt man ihn noch? Spezielles zum Beispiel. Ob er das von ihm beworbene Vitaminwasser Formula 50 auch selbst trinke? "Ja, ich benutze es als Soda-Zusatz." Berühmt wurde 50 Cent, weil er einst von Schüssen durchsiebt wurde, das gab ihm Authentizität. Jüngst überlebte der Berliner Rapper Massiv ein Attentat, durch das er und sein Leasing-BMW zum Glück nur leicht verletzt wurden. Im Interview mit der JUICE spricht Massiv über seinen neuen Plattenvertrag: "Ich hab da richtig krass Mitspracherecht." Arbeitsplätze wolle er schaffen: "Mit Sony im Rücken haben wir einen sehr starken Partner – und wir verfolgen diesen Traum zusammen."