"Da flieg ich nicht mehr hin", heißt es bisweilen mal als Reaktion auf die immer strengeren Einreisekontrollen in den USA. Doch könnte es mit dieser Ansicht bald schwierig werden, überhaupt noch zu reisen. Denn die Europäische Kommission hat am Mittwoch beschlossen, an den Grenzen der EU die gleichen Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen einzuführen wie die USA. Dazu gehört, dass die Fingerabdrücke und die Gesichtsform jedes Einreisenden aufgenommen, mit Datenbanken abgeglichen und für Jahre gespeichert werden sollen.

An amerikanischen Flughäfen ist diese Prozedur bereits Standard: In einer langen Schlange wartet dort jeder Nicht-US-Bürger darauf, von den Beamten der Einwanderungsbehörde bemustert und befragt zu werden. Bei der Passkontrolle werden ein frontales Foto des Gesichts gemacht und die Abdrücke der Zeigefinger genommen – bald sollen es die aller zehn Finger sein. Die Daten vergleichen Computer sofort mit Datenbanken von Verdächtigen und Gesuchten. Bei der Ausreise das gleiche Spiel, wenn auch bisher nur zur Probe an einigen Grenzübergängen.

Entry-Exit-System heißt das Prozedere. Das Ziel: Gesuchte Kriminelle zu fangen und illegale Einwanderer herauszufischen, die ein Touristenvisum nutzen, um ins Land zu gelangen, es dann aber nicht mehr verlassen. "Diese Leute sind der Hauptfaktor der illegalen Einwanderung", hatte EU-Justizkommissar Franco Frattini vor Kurzem gesagt.

Dank des Systems, das Frattini nun auch in der EU einführen will, sollen "Overstayer", also illegal länger Bleibende, sofort auffallen. Allerdings tun sie das nur, wenn sie auch wieder ausreisen. Solange sie in den USA und bald auch der EU bleiben, findet sie niemand. Das System kann lediglich eine Liste derer ausspucken, die bereits hätten ausreisen müssen. Suchen und finden muss sie dann noch immer die Polizei.

Frattinis Plan sieht vor, eine riesige Datenbank aufzubauen. In der sollen Fingerabdrücke und Gesichtsform all jener gespeichert werden, die aus anderen Ländern in die EU einreisen. Nicht nur Reisende aus Ländern mit Visapflicht will die EU-Kommission registrieren, sondern auch jene aus Ländern ohne Visazwang, aus den USA beispielsweise.

In einem weiteren Schritt könne die Sammlung biometrischer Daten auch auf Bürger der EU ausgeweitet werden – zur Erleichterung der Einreise und Beschleunigung der Kontrollen, wie es als Begründung hieß. Daten der EU-Bürger aber will man, im Gegensatz zu den anderen, nicht zentral speichern. Vorerst zumindest.