An diesem Mittwoch beraten die Eigentümer der IKB Deutsche Industriebank über ein neues Rettungspaket  für das schwer angeschlagene Geldinstitut. Kurzfristig braucht die IKB rund 500 Millionen Euro, doch insgesamt geht es um die vierfache Summe. Es wäre schon das dritte Mal, dass die Bank mit einer Milliarden-Finanzspritze stabilisiert werden muss. Allein ihr größter Anteilseigner, die staatliche KfW, hat schon fünf Milliarden Euro an Hilfsgeldern aufgebracht und sagt nun, ihre Möglichkeiten seien erschöpft.

Fließt kein Geld, bleibt der IKB wohl nur der Weg in die Insolvenz, und die Stimmen, die fordern, die Bank pleitegehen zu lassen, werden lauter. "Es darf nicht sein, dass die Banken in guten Zeiten ihre Gewinne für sich behalten und in dieser Situation ihre Verluste sozialisieren", sagte beispielsweise der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Steffen Kampeter, dem Handelsblatt vom Mittwoch. Die Bundesregierung hingegen weist öffentliche Forderungen, die IKB in die Insolvenz gehen zu lassen, zurück. Sie erwartet von den privaten Banken, dass sie sich an einer möglichen Lösung beteiligen.

Was spricht dagegen, die Banken die schweren Folgen ihrer Fehlspekulationen auch spüren zu lassen? ZEIT online fragte Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management .

ZEIT online: Herr Faust, die IKB hat sich in Kalifornien verspekuliert. Ihre Manager kauften viel zu viele jener Papiere, die mit minderwertigen Hypotheken besichert waren und deren Wert im Zuge der Finanzkrise ins Bodenlose fiel. Warum soll die Bundesregierung nun mit Steuergeldern die Löcher stopfen, die Gier und Verantwortungslosigkeit der Bankmanager aufgerissen haben?

Faust: Das Kind ist ja schon in den Brunnen gefallen – jetzt kann es nur noch darum gehen, den Schaden möglichst gering zu halten. Zwar ist die IKB nicht "too big to fail", ihre Pleite dürfte also, im Gegensatz zur Insolvenz einer Großbank, dem Finanzsystem keine irreparablen Schäden zufügen. Und wenn es um eine rein private Bank ginge, wäre eine Insolvenz wohl gerechtfertigt. Aber der Staat ist über die KfW an der IKB beteiligt, er steht deshalb in der Verantwortung. Der Markt erwartet von der KfW, dass sie ihre Tochter stützt. Tut sie das nicht, leidet auch ihre Reputation. Zudem hat die KfW als größter Anteilseigner im Falle einer Insolvenz am meisten zu verlieren. Es liegt also auch in ihrem Interesse, dass die IKB nicht zusammenbricht.

ZEIT online: Wer trüge im Fall einer Pleite außerdem den Schaden?

Faust: Die IKB ist ein wichtiger Kreditgeber für den Mittelstand, die Großbanken haben sich aus diesem Geschäft Anfang des Jahrzehnts ja weitgehend zurückgezogen. Kommt es zur Insolvenz, würden die laufenden Kredite zwar weitergeführt, aber das Neugeschäft fiele weg. Die Kreditnehmer müssten sich nach anderen Kapitalgebern umsehen. Daneben wären natürlich die Mitarbeiter betroffen. Die Einlagen wären zum allergrößten Teil durch den Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes abgesichert. Das ist übrigens auch ein Argument, das die privaten Banken dazu bewegen könnte, sich an einer Rettungsaktion für die IKB zu beteiligen. Denn wenn sie jetzt kein frisches Kapital zuschießen, tragen sie über ihren Sicherungsfonds den Schaden. Zudem würden jene Finanzhäuser und andere Investoren, die der IKB Kredit gegeben oder ihre Anleihen gekauft haben, nur einen kleinen Teil ihrer Gelder zurückbekommen. Die Aktionäre und Besitzer nachrangiger Anleihen schließlich würden völlig leer ausgehen.