Das erste Video, das MTV am 1. August 1981 ausstrahlte, war Video Killed The Radio Star von den Buggles. Was damals wie eine ironische Prophezeiung klang, schien sich wenige Jahre später zu erfüllen: Der Rundfunk verlor zusehends an Bedeutung. Doch die Musikwirtschaft schlitterte in eine noch größere Krise. Heute steht es schlecht um das Radio , und das Musikfernsehen im herkömmlichen Sinn ist tot.

Jahrelang galt es als ästhetischer Wegweiser der Popkultur, heute ist es zur Abspielstation von Realityshows, Cartoons und Klingeltonwerbung verkommen. Diese Entwicklung hat sich auch auf das Musikvideo ausgewirkt. Vor wenigen Jahren ließen sich wechselnde Frisurmoden oder die Körperfülle einzelner Künstler noch anhand der Videos dokumentieren. Heute hat der Musikclip als Ausdrucksmittel der Popkunst weitgehend ausgedient. Er wird allenfalls noch als Dreingabe auf DVD den regulären Plattenveröffentlichungen beigelegt.

Zu kommerziellen Zwecken lassen sich die Clips nur noch bedingt einsetzen. Mittlerweile erregen die Musiker das Publikumsinteresse auf anderen Wegen: Spektakuläre Medieninszenierungen wie der freie Download von Radioheads In Rainbows oder die kostenlose Beilage des Prince-Albums   Planet Earth in einer britischen Tageszeitung schaffen die nötige Aufmerksamkeit.

Es ist daher kaum verwunderlich, wenn die Künstler auf ein teures Video verzichten. Sie investieren lieber direkt in eine aufwendige DVD-Produktion, die nicht nur ein breiteres Spektrum künstlerischer Möglichkeiten bietet, sondern auch höhere Umsätze garantiert.

Der klassische Videoclip hat auch deswegen an Relevanz verloren, weil die Single-Veröffentlichung für den Konsumenten keine Rolle mehr spielt. In Downloadshops können die Kunden selbst wählen, welches Stück des Albums ihnen relevant erscheint. Dem Album als Gesamtkunstwerk, in dem die Stücke einer durchdachten Dramaturgie folgen, huldigen nur noch wenige. Das einzelne Lied wird zum frei beweglichen Element.