Es ist erst eine Woche her, da hatte die NPD noch gejubelt. Die Wahlen in Hessen und Niedersachsen waren für die neonazistische Partei mit 0,9 und 1,5 Prozent zwar alles andere als erfolgreich verlaufen. Aber weil DVU und Republikaner seit Jahren kontinuierlich Mitglieder verlieren, hat die NPD nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes mit 7200 Kameraden nun mehr Mitglieder als die Rechtsaußen-Konkurrenz. "Wir sind die stärkste nationale Kraft", tönte NPD-Chef Udo Voigt und kündigte einmal mehr an, seine Partei werde 2009 in den Bundestag einziehen. Auch staatlichen Repressionen und Verbotsdrohungen könnten die "nationale Opposition" nicht aufhalten.

Möglicherweise stolpert die NPD jedoch darüber, dass es in den eigenen Reihen längst nicht so akkurat und korrekt zugeht, wie es die Recht und Ordnung liebende Partei so gerne verkündet. Vor allem dann, wenn es um die eigenen Finanzen geht. Am Donnerstagmorgen durchsuchten zwei Dutzend Polizeibeamte die NPD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin Köpenick , sichteten Computer und Akten. Darüber hinaus wurden Geschäftsräume und Privatwohnungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie die Büroräume der Parteizeitung "Deutsche Stimme" im sächsischen Riesa durchsucht. Der Schatzmeister der Partei, Erwin Kemna, wurde wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Untreue und der Geldwäsche verhaftet.

Die Staatsanwaltschaft Münster wirft Kemna vor, aus der Parteikasse 627.000 Euro entwendet zu haben. In insgesamt 65 Transaktionen soll er das Geld vom Parteikonto in seine private Firma, eine Geschenkboutique im westfälischen Ladbergen, umgeleitet haben. Aufgrund des Hinweises eines Geldinstitutes ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit März 2007 gegen Kemna.

Die NPD wollte am Donnerstag zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen. Sie teilte lediglich mit, dem Staat werde es nach dem gescheiterten Verbotsverfahren nicht gelingen, der NPD nun finanziell den Garaus zu machen.

Dabei ist dies längst nicht mehr ausgeschlossen. Denn der mögliche Betrug gegen die eigene Partei ist nicht das einzige Problem, das Kemna seiner Partei derzeit bereitet. Darüber hinaus steht der Schatzmeister auch im Verdacht, tief in eine innerparteiliche Finanzaffäre verwickelt zu sein.

Seinen Ausgangspunkt nahm diese Affäre in den neunziger Jahren in Thüringen. Der dortige Landesverband der NPD hatte damals in großem Umfang falsche Spendenquittungen ausgestellt. Er soll den Fiskus damit um 163.613 Euro betrogen haben. Bereits im Juni 2006 war der ehemalige NPD-Landesvorsitzende von Thüringen Frank Golkowski deshalb vom Amtsgericht Erfurt wegen Steuerhinterziehung in 135 Fällen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Auch den Bundestag rief dieses Urteil auf den Plan. Denn weil die NPD wegen der gefälschten Spendenquittungen in den Jahren 1997 und 1998 "wesentlich unrichtige" Rechenschaftsberichte abgegeben hatte, forderte Bundestagspräsident Lammert von der NPD insgesamt 870.000 Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung zurück.