Der Gedanke ist so albtraumhaft wie faszinierend: Die komplette Filmgeschichte wird aufgrund eines mysteriösen Unfalls, der alle Speichermedien betrifft, gelöscht und zerfällt zu Staub. Eine Gesellschaft ohne das Gedächtnis ihrer Filmbilder: Welche Filme würden neu gedreht und auf was für eine Art, welche dem endgültigen Vergessen zum Opfer fallen?

Michel Gondry hat diesen Gedanken in Be Kind Rewind durchgespielt und als Parabel auf den Bestand einer kleinen Videothek heruntergebrochen. Alle Bänder sind leer und müssen neu bespielt werden, um die Existenz des Ladens zu retten. Eine Utopie nimmt ihren Ausgang, die eines demokratischen Kinos. Die Filmgeschichte wird den Händen der Studiobosse und professionellen Bildermacher entrissen und kommt in die kreative Obhut der Zuschauer. Die machen die Filme, die sie lieben, nun so, wie es ihnen gefällt. Die Utopie ist schön, das Ergebnis eine Katastrophe. Ed Wood war dagegen Oscar-verdächtig.

Der Franzose Gondry ging schon einmal in einem Film zurück auf Anfang. In Vergiss mein nicht! radierte er mit Hilfe eines wissenschaftlichen Verfahrens die Erinnerung eines Paares an seine gemeinsamen Jahre aus. Jede erinnerte Szene der Beziehung wurde rekonstruiert und dann gelöscht. Das totale Vergessen als totale Freiheit von Schmerzen. Vergiss mein nicht! hielt damals seine philosophische Grundspannung bis zum Schluss, Be Kind Rewind versinkt mit wachsender Fortdauer in Klamauk und Romantik.

Die Story hat zunächst Witz und Charme. Der Automechaniker Jerry, der nach einem verunglückten Sabotageversuch in einem Kraftwerk plötzlich am ganzen Körper magnetisch geworden ist. Sein Freund Mike, der zum ersten Mal die alleinige Verantwortung für den Videoladen hat, weil sein Chef verreist ist, und vor dem völligen Bänder-Bankrott steht. Die furiosen Versuche der beiden, den Ausleihwünschen der erbosten Kunden nachzukommen und eigene Remakes der Filme zu drehen.

Selbst als das Dilettanten-Projekt zum absoluten Verkaufsschlager wird und die Filmfans Schlange stehen, ist die Geschichte noch bei sich und schreitet souverän durch ihre Unwahrscheinlichkeiten. Doch dann bekommt sie realistische Attitüden und wird belanglos.