Eines der wichtigsten Elemente einer Marktwirtschaft ist Vertrauen. Fehlt es, kann man keine Geschäfte miteinander treiben. Und es braucht gleich ein zweifaches Vertrauen:  In den direkten Geschäftspartner und in die Rahmenbedingungen.

Das Vertrauen in den Geschäftspartner wird ständig auf die Probe gestellt. Beispielsweise dann, wenn wieder einmal Gammelfleisch gefunden wurde. Hat mein Partner es auch verwendet? An den Finanzmärkten kommt ohne Vertrauen ebenfalls kein Geschäft zustande. Die Marktteilnehmer vertrauen darauf, dass ihr Geld, das bei den Banken liegt, "sicher" ist und sie es bei Bedarf auch wieder zurückbekommen. Oder sie vertrauen darauf, dass die Fondsgesellschaft die Gelder im Sinne der eigenen Präferenzen anlegt. Schließlich vertrauen sie darauf, dass die Aktie, die ein Anleger kauft, auch geliefert wird. Dafür sorgen die Vorschriften und Regelungen an einer Börse.

Diese Rahmenbedingungen haben nicht direkt mit den Geschäften des Einzelnen zu tun, sondern mit dem Umfeld, in dem diese Geschäfte ablaufen. Sie gehen auch über die Usancen und Regeln hinaus, die für eine einzelne Börse gelten. Letztlich werden sie von dem Verhalten der staatlichen "Spieler" beeinflusst. Hierzu zählen vor allem die Notenbanken.

Die Notenbanken haben an den Finanzmärkten bekanntlich großen Einfluss. Das war in den vergangenen Monaten besonders oft zu beobachten, wenn die Fed die Zinsen senkte. Kaum kam das Gerücht auf, ein weiterer Zinsschritt stehe unmittelbar bevor, schon gingen die Aktienkurse nach oben. Alleine: Sie hatten nicht die Kraft, sich oben zu halten. Das Vertrauen in diese politischen Maßnahmen der Marktteilnehmer war zu gering.

Die Inflationsangst wurde immer größer, während sich gleichzeitig die Hoffnung schnell wieder verflüchtigte, dass die Zinssenkungen eine positive Konjunkturwirkung entfalten würden. Besonders drastisch zeigte sich das in der vergangenen Woche, als das von der Universität von Michigan berechnete Vertrauen der Konsumenten auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren fiel. Eigentlich erreichen viele Vertrauensindizes erst am Ende einer Rezession einen Tiefpunkt. Diesmal nicht. Dabei hat die Rezession in den USA gerade erst angefangen. Es lässt nichts Gutes für die kommenden Wochen hoffen, wenn die Stimmung jetzt schon so tief ist. Die Auswirkungen der Subprime-Krise zeigen sich hier besonders deutlich.

Die Wirkung, die ein gestiegenes Vertrauen an den Märkten haben kann, konnte in der vergangenen Woche aber auch beobachtet werden, als Warren Buffet als "weißer Ritter" an den Märkten auftauchte, um den angeschlagenen Kreditversicherern unter die Arme zu greifen. Kaum gingen die Meldungen über den Ticker, schon hüpften die Kurse nach oben. Wenn schon der größte lebende Investor, der die profitablen Chancen quasi riechen kann, eine Möglichkeit bei den Kreditversicherern sieht, kann es wohl nicht so schlimm sein, müssen sich viele gedacht haben.

Doch sogar diese Hoffnung hat sich schnell wieder in Luft aufgelöst. Es zeigte sich nämlich, dass Buffet ausschließlich die "guten" Kredite im Kommunalbereich kaufen und die schlechten Kredite im Immobiliensektor bei den Gesellschaften belassen wollte. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass diese sein Angebot brüsk zurückwiesen.

Niemand will sich offensichtlich in Immobilien engagieren, da sind selbst die zusammengebrochenen Kurse immer noch zu hoch. Die USA legen zwar ein Konjunkturprogramm auf, aber das wirkt nicht an der Wurzel des Übels, sondern nur an den Symptomen. Das bestärkt uns in unserer Ansicht, dass die Krise bei Weitem noch nicht ausgestanden ist. Normalerweise kommen auch in einem Bear Market immer wieder Phasen vor, in denen die Kurse deutlich nach oben schießen. Solches ist bisher ausgeblieben. Auch hieran sieht man, wie gering das derzeitige Vertrauen der Anleger ist.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München.