Seit Wochen steht Unicef Deutschland in der Kritik. Nun ist das geschehen, womit Unicef selbst am wenigsten gerechnet hatte: der Kinderhilfsorganisation wurde das Spendensiegel nach gut zwölf Jahren entzogen. Dafür habe es mehrere Gründe gegeben, teilte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin am Mittwoch mit. Das deutsche UNICEF-Komitee habe "seit 2005 wahrheitswidrig behauptet, es habe keine Provisionen für die Vermittlung von Spenden" bezahlt. Die Zahlungen seien in den jährlichen Prüfungsverfahren verschwiegen worden. Auch mit weiteren Mängeln im Auskunftsverfahren habe Unicef Deutschland gegen die Siegel-Standards verstoßen.

"Nach Einschätzung des DZI muss die Management-, Leitungs- und Aufsichtsstruktur von UNICEF Deutschland durchgreifend verbessert werden, damit sich derartige Fehler nicht wiederholen", betonte das DZI. Unicef Deutschland zeigte sich in einer ersten Reaktion in Köln geschockt. "Dieses Urteil trifft uns hart. Damit hatten wir nicht gerechnet", erklärte der Interimsvorsitzende Reinhard Schlagintweit.

Vergangene Woche noch hatte das angeschlagene Kinderhilfswerk, das ausschließlich von privaten Spenden und Regierungen abhängig ist, angekündigt, mit der Wahl eines neuen Vorstands das Vertrauen seiner Geldgeber zurückgewinnen zu wollen. Im April solle die Mitgliederversammlung eine neue Spitze wählen, hieß es. Bis dahin werde das bestehende Gremium weiter arbeiten.

Um den Verschwendungsvorwürfen zu begegnen, habe der Vorstand beschlossen, Empfehlungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG umzusetzen und damit die Reformen zu beschleunigen. Die Vorwürfe wegen undurchsichtiger Beraterverträge und Verschwendung von Spendengeldern bei Unicef richten sich vor allem gegen Ex-Geschäftsführer Garlichs. Unter anderem soll er zu großzügige Honorare an externe Berater gezahlt haben.

Unicef hatte sich nach den Vorwürfen lange interne Auseinandersetzungen geliefert, wonach zunächst die Vorsitzende und ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, ihren Rücktritt erklärte. Simonis hatte schwere Vorwürfe gegen das Kinderhilfswerk erhoben. Der KPMG-Bericht zeige klare "Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip und Schriftform von Verträgen". Dies seien Regeln, die "unverzichtbar" seien, "damit man Abläufe nachvollziehen kann", so Simonis. Kurze Zeit nach Simonis kündigte auch Geschäftsführer Garlichs seinen Rückzug an.