Albert Teich steht am Rednerpult und lächelt schelmisch: "Senator McCain lässt sich entschuldigen, von den anderen Republikanern haben wir erst gar nichts gehört." Mit leicht verächtlichem Gelächter antwortet das Publikum, ein ganzer Konferenzraum vollgestopft mit Forschern, die derzeit die größte amerikanische Wissenschaftskonferenz, das Treffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS), in Boston besuchen.

Kein Platz ist mehr frei, viele stehen, einige haben sich auf dem Boden gesetzt. Stolz verkündet Teich, der bei der AAAS für den Bereich Forschung und Politik zuständig ist, was alle hier so eng zusammenrücken lässt: "In dieser Präsidentenwahl wird Wissenschaft zum Wahlkampfthema."

Der Wunsch nach Aufmerksamkeit der Politiker ist unter Amerikas Forscher groß. Unlängst gründeten sie die Initiative Sciencedebate , die die potentiellen Präsidentschaftskandidaten der Parteien auffordert, endlich auch über das Thema Wissenschaft zu reden und ihr Programm zum Thema Forschungspolitik vorzustellen ­ wenn sie denn überhaupt eins haben.

Sciencedebate, das von den großen wissenschaftlichen Organisationen Amerikas sowie Unternehmen und bekannten Nobelpreisträgern unterstützt wird, hat die Kandidaten kürzlich sogar zur offenen Stellungnahme herausgefordert: Am 18. April sollen sie gemeinsam vor die Kamera treten und der Nation erklären, für welche Zukunft von Forschung und Technologieentwicklung sie stehen.

Auf der AAAS sollte es einen ersten Vorgeschmack auf die Debatte geben. Die Konferenzleitung hatte alle Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur eingeladen, einen Vertreter nach Boston zu schicken, um mit den Forschern zu diskutieren. Gekommen sind nur zwei: Die Wissenschaftsexperten aus den Wahlkampfteams von Hillary Clinton und Barack Obama. An diesem Nachmittag haben die Demokraten die amerikanische Wissenschaft für sich.

Um Zustimmung scheinen beide Politiker nicht stark werben zu müssen, die Sympathie schlägt ihnen fast von alleine entgegen. Gelächter im Publikum, wann immer es Hiebe gegen die Bush-Regierung gibt. Und es brandet sogar Applaus auf, als Alec Ross, der für Barack Obama spricht, endlich ein Ende der Geldverschwendung im Irak fordert. Seine Message ist klar: Weniger Ausgaben für den Krieg, mehr für die Forschung. Mehr Geld verspricht auch Thomas Kalil, der Hillary Clinton vertritt. Verdoppeln soll sich innerhalb der nächsten zehn Jahre der Etat der großen nationalen Forschungsinstitutionen.