Bio boomt. Im vergangenen Jahr sind die Umsätze der Branche um 15 Prozent gestiegen, hat der Bund Ökologische Landwirtschaft ausgerechnet; auf 18,4 Prozent kommt die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für landwirtschaftliche Produkte. Ein Umsatzplus von mehr als fünf Milliarden Euro.

Gemessen an der Nachfrage könnten die deutschen Bauern noch mehr Bio-Produkte absetzen, doch sie kommen mit der Produktion nicht nach. Ein Drittel der Öko-Waren, die die Deutschen konsumieren, wird nicht in Deutschland hergestellt – und hier geht es nicht nur um Bio-Bananen oder andere exotische Früchte, die bei uns nicht gedeihen.

Ein Grund für den deutschen Bio-Engpass sind die Hürden, die ein Bauer nehmen muss, der von konventionellem auf ökologischen Anbau umstellen will. Zwei bis drei Jahre muss ein Landwirt bereits ökologisch korrekt angebaut und gezüchtet haben, bevor er für Kartoffeln oder Fleisch die höheren Bio-Preise verlangen darf.

Diese Umstellungszeit kostet Geld und ist riskant, sagt Frank Wetterich, Leiter des Referats Ökologischer Landbau beim Deutschen Bauernverband. „Zum Teil müssen neue Ställe gebaut werden, braucht der Bauer neue Maschinen, neues Know-how – da geht es schnell um einige 100.000 Euro.“ Das Risiko von Ernteausfällen sei bei Bio-Kartoffeln beispielsweise deutlich höher als bei konventionell mit Pflanzenschutzmitteln behandelten Knollen.

Dabei, hat Wetterich in einer Umfrage unter deutschen Bauern herausgefunden, sei das Interesse der Landwirte, in Bio zu machen, tendenziell gestiegen, obwohl die Preise für konventionell erzeugte Produkte gestiegen sind, und die Bauern Möglichkeiten haben, mit Mais- und Rapsanbau für Biotreibstoffe Geld zu verdienen.

Bauern stellten am ehesten dann auf Bio um, wenn drei Bedingungen gegeben seien: Langfristige Abnahmeverträge, Umstellungsprämien, die die Ertragseinbußen der ersten Zeit auffangen, wenn auf dem Acker zu Bio-Bedingungen produziert werden muss aber im Laden noch nicht entsprechend angeboten werden darf, und eigene Liquidität in den ersten zwei bis drei Jahren, sagt Wetterich.

Doch die Umstellungsprämien sind zwischen 2004 und 2006 in vielen Bundesländern immer wieder ausgesetzt worden. Nach einer Aufstellung des ökologischen Anbauverbands Bioland haben nur Bayern, Niedersachsen und Thüringen den umstellenden Bauern durchgängig finanziell unter die Arme gegriffen. Die Öko-Prämien für die Jahre nach der Umstellung wurden 2007 zusätzlich gekürzt, sagt Bioland-Vorstand Thomas Dosch , „um bis zu 30 Prozent in einzelnen Bundesländern“.