In dem Buch „The Three Trillion Dollar War“ („Der Drei-Billionen-Dollar-Krieg“), das nächste Woche in den USA erscheint, rechnen die US-Wissenschaftler Joseph Stiglitz und Linda Bilmes die wahren Kosten des Irakkriegs hoch. ZEIT online sprach mit Stiglitz, einem früheren Berater von US-Präsident Bill Clinton, Chefökonom der Weltbank (1997-2000) und Wirtschafts-Nobelpreisträger (2001), in London.

ZEIT online: Professor Stiglitz, warum haben Sie The Three Trillion Dollar War geschrieben?

Joseph Stiglitz: Wir wollten fünf Jahre nach Kriegsbeginn Bilanz ziehen. Der Irakkrieg ist nun der zweitlängste Krieg in der amerikanischen Geschichte nach dem Vietnamkrieg, und der zweitteuerste nach dem Zweiten Weltkrieg.

ZEIT online: Sie beschreiben in dem Buch die hohen Kosten des Kriegs , die um das 60-Fache über den anfänglichen Angaben der Regierung von Präsident George W. Bush liegen, und die negativen Auswirkungen auf die amerikanische Ökonomie. Kriege sollen doch angeblich der Wirtschaft guttun?

Stiglitz: Kriege sind eigentlich nie gut für die Wirtschaft. Dieser Mythos entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als es hieß, der Krieg habe Amerika aus der Großen Depression der 1930er Jahre geführt. Aber Kriege verbrauchen Ressourcen, und spätestens seit Keynes kennen wir konstruktivere Mittel, die Wirtschaft anzukurbeln. Der Irakkrieg ist sogar außerordentlich schlecht für die US-Okönomie, unter anderem wegen des Effekts auf den Ölpreis, der nach 25 US-Dollar vor dem Krieg heute bei 100 US-Dollar steht, und weil der Krieg ausschließlich durch zusätzliche Schulden finanziert wird. Die Symptome zeigen sich erst jetzt, weil sie dank schlechter Buchführung und laxer Regulierung versteckt wurden. Wir haben von geborgter Zeit und geborgtem Geld gelebt, aber irgendwann wird uns die Rechnung präsentiert, und das passiert jetzt. Präsentiert sein neues Buch: Joseph Stiglitz BILD

ZEIT online: Worin besteht der Zusammenhang zwischen dem Irakkrieg und der derzeitigen Finanzkrise?

Stiglitz: Die Verantwortlichen haben gedacht, alles tun zu müssen, um die US-Wirtschaft am Laufen zu halten. Das war sehr kurzsichtig und kurzfristig gedacht und hat die Kosten des Kriegs nur vergrößert, für die amerikanische Wirtschaft ebenso wie für die Weltwirtschaft. Die Regierung will dies nicht offenlegen. Aber die amerikanischen Bürger haben ein Recht, das zu erfahren. Wir haben das Buch auch in der Überzeugung geschrieben, einen Beitrag zum demokratischen Prozess zu leisten.