Das Kurdengebiet und die Grenze zum Irak ist die offene Wunde der Türkei, und es arbeiten viele daran, diese Wunde offen zu halten. In der Nacht zum Freitag sind mehrere Tausend Soldaten der türkischen Armee auf irakisches Territorium vorgedrungen, um die Kämpfer der international geächteten PKK zu jagen.

Wird diese jüngste Militäroperation der stärksten Armee im Mittleren Osten die offene Wunde schließen? Wird die Türkei die PKK besiegen, ohne Iraks Stabilität zu beschädigen, ohne die Verbündeten und Freunde in Amerika, Europa und im Mittleren Osten zu verprellen? Um diese Fragen zu beantworten, muss man eine andere stellen: Wer verspricht im Kurdenkonflikt was, und welche Akteure halten ihre Versprechen auch ein?

Die PKK ist seit der Aufkündigung des Waffenstillstands mit der Armee 2005 ausgezogen, die Türkei in einen endlosen Kampf zu ziehen, bis sie den Kurden im Südosten die GAA gewährt, jene größte anzunehmende Autonomie, die praktisch Unabhängigkeit bedeutet. Das hat sie versprochen und das hält sie ein. Die PKK zieht die Armee in den Nordirak hinein, sie verbreitet Terrorfurcht überall in der Türkei, sie bereitet Anschläge auf zivile Einrichtungen vor, sie rechtfertigt das harsche Vorgehen nationalistischer Richter und Polizisten im türkischen Südosten, sie macht den auf Ausgleich bedachten Politikern der Türkei das Leben schwer. Die GAA ist in weiter Ferne, aber auch die Wunde der Türkei steht weit offen.

Die türkische Armee will die PKK auslöschen, sie hat den Krieg gegen die kurdische Terrororganisation 2007 im vollen Umfang wieder aufgenommen. Der Generalstab hat Zehntausende von Soldaten im Südosten massiert, die auf den vereisten Grenzgipfeln zum Irak auf PKK-Pirsch gehen, er lässt vermutete Stellungen bombardieren und schickt Soldaten für Spezialoperationen in den Irak. Es sieht am Ende der Woche alles danach aus, als sei auch diese jüngste Offensive eine solche Spezialoperation, der keine längere Besetzung nordirakischen Gebiets folgen wird.

Dennoch ist es eine Attacke, die größer ist als alle vorherigen, was die Frage aufwirft, wann die türkische Armee sich über den Kampf gegen die PKK hinaus in einen Konflikt mit den Peschmerga der nordirakischen kurdischen Regierung verstrickt. Schon sollen sich türkische Soldaten und Peschmerga Aug in Auge gegenübergestanden haben, Schüsse seien aber nicht gefallen. Der Generalstab hat das Ende der PKK versprochen, doch er ist weit davon entfernt, sein Gelöbnis einzulösen. Er erhofft sich von der winterlichen Irak-Expedition im Schnee einen Überraschungseffekt, bevor die PKK sich im Tauwetter des Frühlings neu formiert.

Doch selbst wenn die PKK geschwächt sein mag, wird diese Offensive tief in der Türkei neue PKK-Kämpfer schaffen und den Südosten weiter aufwühlen. Es sind Ex-Generäle, die freimütig bekennen, dass auch frühere Operationen im Irak herzlich wenig gebracht haben. Die Wunde der Türkei blieb am Ende stets offen.