Ja - Aber. Mit diesen beiden Worten lässt sich die mehrstündige Diskussion auf der Mitgliederversammlung der Hamburger Grün-Alternativen Liste (GAL) zusammenfassen, wie sich die Partei in der Hansestadt in seliger Erinnerung an frühere links bewegte Zeiten immer noch nennt. Bis knapp vor 23 Uhr stellte sich ein Grünen-Funktionär nach dem anderen am Donnerstagabend jeweils vier Minuten lang hinter das Mikrofon und erklärte der versammelten Basis, wieso die CDU furchtbar ist, die Grünen aber trotzdem zu Gesprächen mit ihr bereit sein sollten.

Gerade mal zwei leise Stimmen gegen eine schwarz-grüne Koalition gab es in der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula einer Grundschule. Eine ältere Aktivistin, die sich nach vielen Pro-Rednern aufs Podium wagte, entschuldigte sich gleich prophylaktisch bei allen Wählern, mit denen sie ihm Wahlkampf gesprochen habe: "Ich habe Sie nicht auf die Gefahr hingewiesen, dass Sie mit einer Stimme für uns Ole von Beust als Bürgermeister unterstützen."

Gleich zu Beginn des Abends schwor die Landesspitze der GAL ihre Basis auf schwarz-grüne Gespräche ein. Da war von Mut die Rede, von Selbstbewusstsein, Stolz und davon, dass die Grünen sich endlich etwas trauen sollten. Man müsse sich dieser Herausforderung selbstbewusst stellen, sagte die Fraktionsvorsitzende Christa Goetsch. "Wenn Schwarz-Grün nicht klappt, wissen wir wenigstens warum, und können erhobenen Hauptes in die Opposition gehen." Jetzt gar nicht zu reden, sondern "nach Hause zu gehen und auf eine Große Koalition zu warten", sagte eine Parteikollegin, stieße bei den Wählern auf Unverständnis. Sie würden den Grünen dann vorwerfen: "Ihr seid ja zu bekloppt für die Politik."

Sogar die grüne Jugend stimmt für Gespräche mit den früher verhassten Christdemokraten – aber alleine aus demokratiepolitischen Gründen, wie deren Sprecher erklärte. Nur draußen vor der Tür zückten anfangs noch ein paar versprengte Rot-Grün-Sympathisanten demonstrativ bei wolkenlosem Himmel ihre roten Regenschirme.

Zumindest ein positiver Effekt der momentanen Diskussion war bei der Landesversammlung erkennbar: Ein Mann aus Altona outete sich als Neumitglied. Er sei erst vor zwei Tagen der Partei beigetreten und wünschte seiner neuen politischen Heimat, "dass sie all ihren Mut zusammenpackt" und sich ins schwarz-grüne Abenteuer wirft.

Trotzdem fällt es den Hamburger Grünen erkennbar alles andere als leicht, sich ausgerechnet mit der CDU an den Verhandlungstisch zu setzen. Zum einen drohen bereits jetzt manche deswegen mit Parteiaustritt. Auf der anderen Seite sähen sich die Grünen in der Opposition in die Bedeutungslosigkeit verschwinden. Schließlich wartet dort mit der Linkspartei eine neue Kraft in der Bürgerschaft, die auf Frontal-Opposition setzen und die Grünen links überholen wird. Wie stark das Dilemma ist, zeigt auch ein Vorstandsbeschluss des Kreisverbands Bergedorf. Dort wurde für Gespräche mit der CDU, aber gegen eine schwarz-grüne Koalition votiert.