Navigationsgeräte bringen Autofahrer zuverlässig von A nach B – jedenfalls wenn die Adressen korrekt eingegeben wurden. Doch sobald man seine Blechkiste verlässt, ist es vorbei mit der elektronischen Orientierung. Per Pedes gelten völlig andere Regeln als im Auto: Einbahnstraßen und Fußgängerzonen zum Beispiel sind kein Problem, Hauptstraßen oder gar Autobahnen hingegen sollten gemieden werden. Manchmal führt der Fußweg quer durch einen Park oder sogar durch Gebäude hindurch. Und während sich der Autoverkehr weitgehend zweidimensional bewegt, spielt für Fußgänger die dritte Dimension eine große Rolle. Häufig müssen sie in der Stadt Unterführungen, Brücken, Treppen, Tunnel nutzen. Von einem Bürogebäude zum nächsten gelangen sie auch schon mal durch einen gläsernen Übergang in der zweiten Etage.

Die Navigationsgeräte selbst sind längst auch für die Jackentasche geeignet. Fast jedes fünfte neue Handy kann als Navigator genutzt werden. Woran es bisher fehlte, war speziell auf die Bedürfnisse von Fußgängern zugeschnittenes Kartenmaterial. Doch das hat sich jetzt geändert. Teleatlas und Navtech, die beiden Weltmarktführer, haben kurz vor der Cebit bekannt gegeben, dass sie ab sofort auch Karten für die Fußgängernavigation zur Verfügung stellen können.

"Wir haben die Zentren von 107 Städten in 18 westeuropäischen Ländern im Angebot", sagt John Forster, der bei Teleatlas für die Fußgängerleitprogramme zuständig ist. In der zweijährigen Entwicklungsphase haben Forster und Kollegen alle vorhandenen Daten für die Bedürfnisse der Fußgänger neu geordnet und zahlreiche weitere Informationen hinzugefügt – ein aufwendiges Verfahren. "Das sind zum Beispiel Fußgängerampeln, Zebrastreifen, Über- und Unterführungen, Treppen, aber auch Sehenswürdigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten und ähnliche points of interest für Fußgänger", sagt Forster.

Jetzt sind die Hersteller von Endgeräten gefordert, die angebotenen Daten in marktfähige Produkte zu verwandeln. Erste Handys mit eingebauter Fußgängernavigation sind für dieses Jahr angekündigt, darunter zum Beispiel das Nüviphone von Garmin, das sich sogar den Punkt merken kann, an dem es aus der Autohalterung genommen wurde. So soll niemand mehr nach dem Rückweg zu seinem in einer fremden Stadt geparkten Fahrzeug suchen müssen.

Eine Zielgruppe mit besonders großem Interesse an Fußgängernavigation sind Blinde. Für sie gibt es bereits einige Spezialgeräte mit Spracheingabe und akustischer Führung. Mangels Datenmaterial lieferten sie bisher zwar nur eine grobe Orientierung, doch mit Hilfe der neuen Karten und zusammen mit einem Blindenhund werden sich sehbehinderte Menschen in Zukunft auch in unbekannter Umgebung zurechtfinden können.

Problematisch bleiben verwinkelte Wege durch Gebäude – zum Beispiel Bahnhöfe, Flughäfen oder Einkaufszentren. Für diese Innenbereiche fehlen dreidimensionale Karten. Die Orientierung per GPS-Empfang versagt häufig.

Für Abhilfe will ein Forschungsprojekt der Universität Saarbrücken sorgen. "Wir haben ein Testgebäude mit drahtlosen Funketiketten ausgestattet, die das GPS-Satellitensignal simulieren können", sagt Christoph Stahl, einer der beteiligten Informatiker. Kleine Handydisplays kamen als Wegweiser durch Foyers, Flure und Treppenhäuser bei den Testpersonen allerdings nicht gut an. In Saarbrücken wurden deshalb an zentralen Stellen des Gebäudes Flachbildschirme angebracht, die den gewünschten Weg als Film aus Fußgängersicht darstellen.

Bei Teleatlas träumen die Entwickler bereits vom nächsten Schritt der Fußgängernavigation, der sogenannten intermodalen Verkehrskette. "Wir würden unsere Karten gerne mit den Fahrplänen von Bussen, Straßenbahnen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln verknüpfen", sagt John Forster. Dann könnten sich Fußgänger in ein paar Jahren nicht nur den schönsten, interessantesten oder kürzesten Weg durch die Stadt anzeigen lassen, sondern auch den schnellsten.