Soldat der Zukunft lautet eines der wichtigsten Konzepte der Bundeswehr, um die einstige Panzerarmee für internationale Kriseneinsätze fit zu machen. Doch für den Umbau zu einer beweglichen Einsatzarmee braucht es nicht nur neue Waffen und Doktrinen. Es braucht auch neue Orden.

Bisher galt in der Bundeswehr, dass ein "Ehrenzeichen" oder eine "Einsatzmedaille" bekommt, wer nur lange genug stillhält. So gibt es die Ehrenmedaille der Bundeswehr bereits nach sieben Monaten Dienstzeit, die kleinste Einsatzmedaille für Auslandseinsätze, die in Bronze, wird nach dreißig Tagen im Ausland verliehen.

Zwar können die einzelnen Stufen bei "herausragenden Einzeltaten wie der Rettung eines Lebens" ausnahmsweise auch vor diesen Zeiten an eine Uniform geheftet werden, doch genügt es, zu warten. Besondere Einsatzbereitschaft lohnt sich bisher nicht, zumindest nicht für den, der auf Orden aus ist.

Das soll anders werden. Mehr als 50 Jahre nach ihrer Gründung wird die Bundeswehr wieder eine Auszeichnung bekommen, die nur für Tapferkeit und besonderen Einsatz verliehen werden kann. Bundespräsident Horst Köhler billigte einen entsprechenden Vorschlag. Der war vom Präsidenten des Reservistenverbandes der Bundeswehr, Ernst-Reinhard Beck, gemacht worden und hatte die Unterstützung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Wie ein Sprecher des Bundespräsidenten sagte, gehe es um eine Auszeichnung für "außergewöhnlich tapfere Taten".

Etwas heikel daran ist, dass sie nicht ohne Absicht an das "Eiserne Kreuz" erinnert. Reservist Beck hatte vorgeschlagen, mit dem Orden Traditionen wiederzubeleben und ihn dem 1813 in den Befreiungskriegen gegen Napoleon eingeführten Kreuz nachzuempfinden. Dieses wurde mit kleinen stilistischen Abwandlungen bis 1945 in deutschen Armeen verliehen und gilt wohl als die bekannteste Auszeichnung der Militärgeschichte. Nicht zuletzt, weil auch die Nationalsozialisten von diesem Mythos eifrig Gebrauch machten, ist es jedoch erheblich belastet.

Daher gibt es auch heftige Kritik an der Idee. Ein solcher Orden könne als Wiederbelebung des "Eisernen Kreuzes" verstanden werden, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, der Rheinpfalz am Sonntag . Das "Eiserne Kreuz" sei von den Nazis schamlos missbraucht worden und stehe für den nationalsozialistischen Massenmord.