Der Sozialpsychologe Roy Baumeister hat viel Aufsehen erregt mit einem Vortrag ( "Is there anything good about men?" ). Er redet in seiner Verteidigung der Männer auch über die Frauen, die nämlich genauso klug wie Männer seien. Sie wollen, schreibt Baumeister, aber etwas anderes: Sie knüpfen enge Freundschaften mit einigen wenigen Menschen statt oberflächliche, aber nützliche Kontakte mit vielen. Und sie gehen nicht so viele Risiken ein wie Männer.

Denn rein biologisch sei jede Frau wichtig für den Fortbestand der Menschheit, Männer brauche man dazu nicht so viele, argumentiert Baumeister weiter. Deswegen also jagen die Männer im übertragenen Sinne noch immer, setzen ihr Leben oder zumindest ihre Lebensqualität aufs Spiel. Sie müssen ständig beweisen, dass sie etwas wert sind und letztlich darum kämpfen, dass Frauen ihnen die Gelegenheit geben, Nachwuchs zu zeugen.

Daher, stellt Baumeister fest, sind einige Männer im Beruf nach wie vor sehr viel erfolgreicher als Frauen. Denn sie arbeiten ihr Leben lang daran, herausragend zu sein, und riskieren alles für den Erfolg. Gleichzeitig gibt es jedoch wesentlich mehr Männer, die gerade wegen ihrer Risikobereitschaft komplett scheitern.

Baumeister will klarstellen, dass die Thesen "Männer sind Sieger und Frauen Verlierer" sowie "Männer bekämpfen Frauen" nicht weit tragen. Denn die meisten Verlierer gibt es unter Männern. Ist also alles bestens für das weibliche Geschlecht? Fahren Frauen gut mit ihrer Strategie, denn sie leben viel sicherer und komfortabler?

Nein, nicht ganz. Denn sie zahlen einen hohen Preis, weil sie nicht wirklich mitmischen in den ganz hohen Positionen. Weil es laut Baumeister die paar innovativen, kreativen Männer sind, die Kultur, Wissen und Wohlstand zum blühen brachten und noch bringen. Sie haben die sozialen Strukturen geschaffen, in denen sie nach wie vor den Ton angeben. Baumeister behauptet nicht, das sei fair - aber dieses Zusammenspiel der Geschlechter habe bisher einfach gut funktioniert.

Da haben wir das Dilemma vieler Frauen. Sie fragen sich: Warum soll ich so werden wie die Männer? Ist doch ganz vernünftig, sich wie eine Frau zu verhalten. Allerdings sind Frauen inzwischen oft besser ausgebildet als Männer, sie sind ebenfalls klug, ehrgeizig und zielstrebig. Weshalb sie nicht immer nur im Kleinen bestimmen, sondern auch Großes bewegen wollen.

Reden wir von Frauenkarrieren, haben wir deshalb meist nur zwei Kategorien zur Hand: Da gibt es die, die immer klein bleiben – in diesen Topf werden Hausfrauen ebenso geworfen wie Frauen in Teilzeitjobs oder die, die sich mit einem interessanten Job ohne Führungsaufgaben zufriedengeben. In dem anderen Topf stecken kriegerische Rollenmodelle, die sich "Power-Feministinnen" (Alice Schwarzer) oder "Frauen der F-Klasse" (Thea Dorn) nennen. "Alphamädchen" heißen neuerdings die gut ausgebildeten jungen Frauen, die die Jungs im Bildungssystem überrunden.