Es soll ein ganz besonderer Besuch sein, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel heute nach Israel aufbricht. Besonders in vielerlei Hinsicht. Merkel will ihre Reise anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung des Staates Israel die Beziehungen Deutschlands zu Israel weiter ausbauen und intensivieren. Dabei wird sie am Dienstag als erster deutscher Regierungschef in der Knesset, dem israelischen Parlament, eine Rede halten. Sie werde dabei betonen, sagte die Kanzlerin in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, dass die Bedrohungen, denen Israel ausgesetzt ist, auch Bedrohungen Deutschland seien. Das gelte insbesondere für das iranische Atomprogramm.

Am Montag werden auf Merkels Initiative hin erstmals in der Geschichte der deutsch-israelischen Beziehungen gemeinsame Beratungen von deutschen und israelischen Ministern stattfinden. Dafür reisen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sechs weitere Bundesminister mit nach Jerusalem. Die Beratungen sollen der Auftakt für jährliche Treffen der Regierungen sein, die im kommenden Jahr in Deutschland stattfinden sollen. Das jetzigen Treffen soll, so hofft man, zu einer Reihe von Vereinbarungen vor allem im wissenschaftlichen Bereich führen.

Um die Rede der Kanzlerin möglich zu machen, hatte der zuständige Ausschuss des israelischen Parlaments eigens die Regularien geändert. Bisher war es nur ausländischen Staatsoberhäuptern erlaubt, vor den Abgeordneten zu reden. Im Jahr 2000 war es Johannes Rau, der als erster deutscher Bundespräsident diese Gelegenheit hatte. Helmut Kohl hatte als Kanzler ebenfalls die Knesset besucht, allerdings nicht im Parlament gesprochen.

Merkels geplante Rede, die sie auf deutsch halten wird, hatte in Israel zu Verstimmungen geführt. Einige Abgeordnete hatten gegen Merkels Auftritt vor dem Parlament protestiert. Bereits bei den Reden von Johannes Rau und später bei Bundespräsident Köhler waren einige Abgeordnete den Sitzungen aus Protest fern geblieben.

Anders als bei ihren letzten Reisen in die Region wird die Kanzlerin nicht mit Palästinenserpräsident Abbas zusammenkommen. Die Bundesregierung begründet dies mit dem besonderen Charakter der Reise, die im Zusammenhang mit den 60 Jahr Feiern des Staates Israel stehen.