Von den Gefahren einer wachsenden Kreditblase scheint man beim Modekonzern Hugo Boss im süddeutschen Metzingen noch nichts gehört zu haben: Fast eine halbe Milliarde Euro Sonderdividende will das Unternehmen an seine Aktionäre ausschütten, das ist fast das Dreifache des im Jahr 2007 erwirtschafteten Konzernergebnisses. Ein großer Teil der Dividende wird folglich mit Schulden finanziert werden.

Der größte Teil der Ausschüttung fließt an den italienischen Modekonzern Valentino, der mit einem Anteil von 88 Prozent der Stammaktien bei Boss das Sagen hat. Doch hinter Valentino steht seit einigen Monaten der britische Finanzinvestor Permira - und der hat auch die geplante Sonderdividende veranlasst.

Als Begründung dienen die üblichen Phrasen. Ob Finanzvorstand Joachim Reinhardt rot geworden ist, als er per Pressemitteilung der Öffentlichkeit den Aderlass als "Verbesserung der Kapitalstruktur" verkaufen wollte, ist nicht überliefert. Die Eigenkapitalquote sinkt von schwäbisch soliden 52 Prozent auf wacklige 20 Prozent. Für ein Unternehmen, das im risikoreichen Modegeschäft agiert, ist das ein dünnes Polster. Das sah offenbar auch der erfahrene Boss-Vorstandschef Bruno Sälzer so, der im Dividendenstreit den Kürzeren zog und im Februar kündigte.

Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Reinhardt, dass mit der Millionendividende die Verschuldung des Mutterkonzerns Valentino reduziert werden solle. Die Mutter ist nämlich viel kleiner als die Tochter: Innerhalb der Valentino-Gruppe sorgt Boss für 77 Prozent des Umsatzes und 83 Prozent des Gewinns. Allerdings ergibt wirtschaftlich der Bargeldtransfer von Boss zu Valentino wenig Sinn, weil damit lediglich ein Teil des Boss-Aktienwertes in Bares umgewandelt wird. Außerdem ist das Volumen der Dividende mit 445 Millionen Euro höher als der aktuelle Finanzschuldenstand der gesamten Valentino-Gruppe.

Da drängt sich die Frage auf, ob Permira das Geld eigentlich nur in der Kasse des italienischen Mutterkonzerns parken will, um die nächste Dividendenparty bei Valentino zu feiern. Wie das geht, hat der Finanzinvestor in bester Heuschreckenmanier schon einige Male gezeigt. Der Chemiekonzern Cognis musste wegen der hohen Schuldenlasten aus dem Eigenkapitalabzug durch den Eigentümer Permira 2007 einen Verlust hinnehmen, ProSiebenSAT.1 zahlte Permira und dem Finanzinvestor KKR von einem Jahresgewinn von gerade einmal 89 Millionen Euro mehr als 160 Millionen Euro Dividende, und der Autozulieferer Kiekert wurde so ausgesaugt, dass er nur knapp an der Pleite vorbeischrammte.

Der tiefe Griff in die Kasse nimmt dem Modekonzern Hugo Boss/Valentino vieles von seiner Solidität. Nur wenn Boss weiter wächst, geht die hochriskante Strategie auf. Allein um die steigenden Finanzierungskosten auszugleichen, dürfte Boss ein Wachstum von rund 15 Prozent beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) brauchen. Sinken jedoch die Gewinnmargen, könnte der Konzern schnell in die roten Zahlen treiben.

Thomas Hammer ist freier Wirtschaftsjournalist und Sachbuchautor. Er schreibt unter anderem für das Wirtschaftsressort der ZEIT und beobachtet die Kapitalmärkte mit skeptischem Blick.