Jedes Jahr zu Ostern beobachtet Klaus Matthies, Rohstoffexperte am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), die Preistafeln an den Tankstellen ganz genau. Seit mehr als sieben Jahren versucht er, den Mineralölkonzernen nachzuweisen, dass sie die Tankkunden zur besten Reisezeit abzocken.

Dafür quält Matthies sich jedes Jahr während der Feiertage durch unzählige Tabellen und vergleicht Ölpreisnotierungen und Tankstellenpreise, um unzulässige Preisaufschläge zu entdecken. Doch bislang war alle Müh vergebens. "Zwar variieren die Preisaufschläge", sagt Matthies, "dass sie aber zu Festtagen und Ferienzeiten besonders hoch sind, lässt sich nicht feststellen."

Komisch. "Otto Normalverbraucher" hat da einen anderen Eindruck. Immer pünktlich zu Ostern und den Sommerferien klettern die Benzinpreise um mehrere Cent hinauf – und nicht nur bei einem Anbieter, sondern oft bei sämtlichen Tankstellen in einer Region.

Der ADAC, Europas größter Autoclub und wichtigste Lobby deutscher Autofahrer, appellierte schon an die Mineralölkonzerne: "Die Preise steigen jede Woche dramatisch an, da darf die Ferienzeit nicht auch noch dafür herhalten, an der Preisschraube zu drehen." Superbenzin koste inzwischen 1,41 Euro/Liter, der Liter Diesel 1,32 Euro. Das sei nahe an den Rekordpreisen vom November 2007.

Jetzt schaut sogar das Bundeskartellamt genau hin. Auf dem deutschen Tankstellenmarkt herrsche ein Fünfer-Oligopol, so hat man es vor Kurzem erstmals in einer Studie zum Benzinmarkt festgestellt. Shell, BP/Aral, Total, Esso und Jet (Conoco) kommen zusammen auf einen Marktanteil von zwei Drittel. Das sei eine marktbeherrschende Stellung. Deswegen unterliegen die Unternehmen zukünftig einer strengen Missbrauchsaufsicht. Fusionen von Tankstellenketten oder Zukäufe sind tabu.