"Bereits jetzt belasten Windkraftanlagen und auch der europaweite Stromhandel die Stromnetze", sagte Kurth am Mittwoch in Bonn. Er kündigte an, dass seine Behörde den Problemen um den Netzausbau und der Netzsicherheit Priorität einräumen werde. "Wir brauchen einen Ausbau der Netze".

Der Ausbau und die Erneuerung der Überlandleitungen wird nach Angaben der Unternehmen RWE, E.on, Vattenfall und EnBW durch langjährige Genehmigungsverfahren verzögert. Dabei sind die Investitionen nötig, um Engpässe beim Import und Export an den Landesgrenzen zu beseitigen und auf den Ausbau der Windenergie zu reagieren. Durch den Bau von Windkraftanlagen muss in einigen Gebieten die Netzleistung erhöht werden. Die Lage wird sich verschärfen, wenn auch auf hoher See Windparks gebaut werden.

Kurth hält selbst Ausfälle für denkbar: Bei Trockenperioden und einer Windknappheit könnten die Strommengen nicht mehr ausreichen und die Stromversorgung zusammenbrechen, sagte er. Bereits heute gebe es Engpässe.

Der Behördenchef wollte die Pläne von Marktführer E.on nicht kommentieren, die Stromnetze zu verkaufen. Er räumte aber ein, von verschiedenen Investoren angesprochen worden zu sein. Namen nannte er nicht. Als mögliche Bieter gelten Finanzinvestoren, die sich auf Infrastruktur-Projekte konzentriert haben, und Pensionsfonds, die stabile Renditen erwirtschaften wollten.

Die Bundesnetzagentur zog schließlich eine positive Bilanz beim Wettbewerb auf dem Privatkundenmarkt. Während dieser auf dem Gasmarkt noch in den Anfängen stecke, komme der Wettbewerb beim Strom in Schwung. Dies zeigt sich an der Bereitschaft der Kunden zum Anbieterwechsel. Angetrieben durch die zum Teil drastischen Strompreiserhöhungen in den vergangenen Jahren verdoppelte sich 2007 die Zahl der Wechsler nach Schätzung der Agentur auf 1,3 Millionen.

Diese Dynamik wird sich nach seiner Einschätzung mit dem Markteintritt neuer Anbieter fortsetzen. Der Wettbewerb wurde lange Zeit vor allem von neuen Spielern wie Lichtblick angetrieben. Seit dem vergangenen Jahr gehen aber auch die Schwergewichte E.on und RWE mit Zweitmarken (E wie Einfach, Eprimo) auf Kundenfang. Die Bilanz ist gemischt: Während E.on mehr Kunden gewann, bröckelte die Kundenbasis von RWE.