Vielen Kommentatoren kam der Rücktritt von Clintons Chefstrategen Mark Penn am Sonntag überraschend schnell – und außerdem zu schnell, um Kritik der Obama-Kampagne anzuziehen. Anfang März schrie das Clinton-Lager auf, als der Verdacht laut wurde, einer seiner Berater habe bei internationalen Gesprächen Barack Obamas Kritik am nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA relativiert. Der Vorfall blieb folgenlos. Einen Monat später wurde bekannt, dass Clintons Chefstratege in seiner Nebentätigkeit als Lobbyist den kolumbianischen Botschafter zu einem Freihandelsabkommen beriet, das Clinton offiziell ablehnt. Die Obama-Kampagne hielt still. Seinen Posten musste Penn trotzdem räumen.

„Ich arbeite mit einem kurzen Zeithorizont”, sagte Geoff Garin gestern der New York Times. Zusammen mit einem Kollegen übernahm er kurzfristig den Penn-Posten – und hat wenig Zeit für Schadensbegrenzung. Am 22. April steht nach einer einmonatigen Wahlpause in Pennsylvania die nächste Vorwahl an. Kurz nach ihren Siegen in Texas und Ohio im März standen Clintons Umfragewerte in Pennsylvania mal bei einem Vorsprung von 20 Prozent. Doch Anfang dieser Woche lag die Kandidatin im Durchschnitt der Umfragewerte nur noch knapp sieben Prozent vor Barack Obama. Die aktuellste Umfrage zeigt Clinton und Obama sogar gleich auf bei 45 Prozent. Sechs Prozent aller befragten Demokraten-Wähler gaben demnach an, noch unentschieden zu sein.

Unter anderem auf Grund der demografischen Ähnlichkeit zu Ohio hatte Clinton in Pennsylvania sich gute Karten ausgerechnet – und betonte angesichts der großen Arbeiterklientel unter der Wählerschaft wirtschaftliche Themen wie ihre Kritik an NAFTA, einem Abkommen, das auf die Amtszeit ihres Wahlhelfers und Ehemanns Bill zurückgeht. Dass Obama in den vergangenen Wochen vor der Wahl den weiten Vorsprung seiner Konkurrentin aufholt, ist eigentlich kein neues Phänomen. Ähnliches passierte zuletzt in Texas und Ohio, wo schließlich Clinton gewann. Doch dieses Mal ist der Umfragen-Trend nicht das einzige Problem Clintons.

Nachdem Barack Obama während der Kontroverse um seinen gesellschaftskritischen Pastor Wright in die Defensive geraten war, begann eine andauernde Pechsträhne für die Kandidatin. Mehrfach hatte sie auf Wahlkampfveranstaltungen erzählt, wie sie als First Lady das kriegsgeplagte Bosnien besuchte und dabei geduckten Hauptes Scharfschützen entkam. Doch außer Clinton hatte sich keiner der Mitreisenden an solche Szenen erinnern können. Auch Clintons Wahlreden-Erzählungen über eine hochschwangere Frau, die auf Grund ihrer mangelnden Krankenversicherung an einem Krankenhaus abgewiesen worden sei, stellten sich als übertrieben heraus.

Mit dem Rücktritt Mark Penns folgte für Clinton zudem nun der zweite einschneidende Personalwechsel innerhalb von zwei Monaten. Im Februar musste bereits Wahlkampfmanagerin Patti Solis Doyle Clintons Wahlkampfstab verlassen. Zwar wird Mark Penn der Kandidatin außerhalb seiner Führungsposition erhalten bleiben, doch seine Demontage hat am gestrigen Montag große Aufmerksamkeit erregt – es geht immerhin um einen langjährigen Weggefährten der Clintons. Bereits 1996, pünktlich zur Wiederwahl Bill Clintons, hatte Mark Penn im Weißen Haus seine Dienste angetreten. Der Meinungsforscher blieb während des Lewinsky-Skandals und Amtsenthebungsverfahrens und begleitete Hillary Clinton bei ihrer Senats-Kandidatur zum Sieg. Und doch sah sich Penn mehrfach der Kritik von Clintons Parteikollegen ausgesetzt, unter anderem, weil er parallel zur Arbeit als Politikberater mit seiner PR-Firma Klienten wie den umstrittenen Militärdienstleister Blackwater vertrat.