Jetzt ist aus. Die olympische Flamme ist erloschen, und auch die verzweifelte Schönrednerei der Pekinger Spiele muss nun ein Ende haben. Nachdem schon in London am Wochenende Demonstranten der Fackel und ihren Trägern mit Feuerlöscher und vollem Körpereinsatz nachstellten, haben nun französische Aktivisten den Lauf der aufwendig gestalteten Hightech-Fackel durch Paris erfolgreich gestört. Dabei ist die Flamme gleich mehrfach erloschen; zwar behauptet die Pariser Polizei, man habe das Feuer nur zu seiner eigenen Sicherheit und aufgrund technischer Probleme gelöscht, aber die Botschaft ist eindeutig: Diesem Feuer und allem, was es repräsentiert, geht die Luft aus.

Wir erinnern uns: Erfunden haben den olympischen Fackellauf die Nazis für die Spiele in Berlin 1936. Damals wie heute wurde das Feuer im antiken Olympia entzündet, dann trugen es 3331 Läufer die mehr als 3000 Kilometer in die deutsche Hauptstadt. Da seither jede neue Auflage der Spiele größer und besser sein musste als die zuvor, führt der Fackellauf diesmal über 130.000 Kilometer und bis hinauf auf den Mount Everest.

Der Fackellauf repräsentiere die Ernsthaftigkeit und Aufregung, mit der die Welt die Spiele erwarte, schreibt das Pekinger Organisationskomitee auf der offiziellen Homepage der Fackel (so was gibt’s wirklich!), sie verkörpere den olympischen Geist. Was war der noch mal genau? Ordentlich Geld zu machen? Oder: Gib autoritären Staaten, die ein Imageproblem, aber jede Menge Geld haben, eine super Gelegenheit für eine Propaganda-Show?

Wenn es den neuzeitlichen Olympiern, den Funktionären um den IOC-Präsidenten Jacques Rogge, ernst wäre mit dem von ihnen so oft beschworenen Geist, müssten sie als Erstes China aus der olympischen Bewegung ausschließen. Denn, wie heißt es im fünften der „6 fundamentalen Prinzipien“ der olympischen Charta? „Jede Form der Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund seiner Rasse, Religion, Politik, seines Geschlechts oder anderer Gründe ist unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur olympischen Bewegung.“

Und wenn ich das richtig verstanden habe, geschieht doch genau das in Tibet: Dort werden chinesische Staatsbürger aufgrund ihrer Religion und politischen Überzeugung diskriminiert. Aber dass diese Charta, die auch den Athleten während der Spiele einen Maulkorb verpasst, ein gigantisches Manifest der Verlogenheit ist, ist auch keine Neuigkeit mehr.