Mit den Grünen? Den Giraffen ? Oder lieber mit der Revolutionär Antifaschistischen Linken ? An vielen deutschen Hochschulen sind die letzten Koalitionsverhandlungen für die Studierendenparlamente, die sogenannten Stupas, abgeschlossen, die im Januar und Februar gewählten Studentenvertreter konnten zu Beginn des Sommersemesters endlich zu ihren konstituierenden Sitzungen zusammenkommen. In diesen Parlamenten tummeln sich nun wieder verkappte Weltverbesserer, Anarchisten und ehrgeizige Nachwuchspolitiker, die schon mit Anfang 20 den Staatsmann mimen.

Allein ein Blick auf die Wahlzettel offenbart eine schillernde Mischung in der Hochschulparteienlandschaft. In Bonn kandidierte im Februar erstmals die Re(h)-Partei , in Wuppertal traten Dada-O-Rama und Veritas an. An der FU Berlin war die Liste der kuriosen Bewerber noch deutlich länger: Die Studenten konnten wählen zwischen der Regenbogen- und der Multi-Kulti-Liste. Auch Roland´s Raucherliste schaffte es ins Parlament, Cafe TRICKY im Exil ebenfalls. Die HU konnte mit Die Monarchisten - mehr Absolutismus wagen und mutvilla/gender studies aufwarten.

Der schwarze Ritter ist unbesiegbar lautete der klangvolle Name einer Liste in Bochum, nur schwer zu übertreffen von seinen Konkurrenten Liste der Herzen und YES . Viel Fantasie besaßen auch die Namensgeber von Der erhobene Zeigefinger und vote for spiderpig von der Universität Duisburg-Essen. Da sahen die Ableger der etablierten Parteien CDU, FDP, SPD und Grüne alt aus - zumindest was die Originalität des Namens angeht. Doch unter dem Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) oder Kürzeln wie Jusos, Liberale und Grüne kann man sich zumindest etwas vorstellen.

Ähnlich breit wie die Palette der Namen ist die Bandbreite der Themen: Resolutionen gegen den Irakkrieg, der Kampf gegen Studiengebühren oder Diskussionen über die Verwendung der Studienbeiträge - all das findet in deutschen Studierendenparlamenten statt. Doch auch der Verfall des deutschen Patriotismus oder Kaffee aus Nicaragua sind mancherorts Tagesordnungspunkte.

Je nachdem, wer die Stupa-Wahl für sich entscheidet, wird der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) besetzt und mit Referaten ausgestattet. Auch hier findet die Fantasie der Studentenvertreter kaum Grenzen. So trifft man an der Uni Marburg etwa auf das Referat "Interkulturelle Konfliktforschung" oder auf ein "polymorph perverses Referat" an der Freien Universität Berlin, wo Studenten "ohne merkwürdige Blicke sie selbst sein können". Ebenfalls an der FU Berlin findet sich das Referat für "Internationalismus und Antirepression", das sich "vielen Themenbereichen außerhalb der BRD" widmet, wie die Website des AStA stolz verrät.

Diese thematische Ungezwungenheit hat jedoch einen Haken: Die deutschen Stupas haben ein klar hochschulpolitisches Mandat, das die Landeshochschulgesetze der verfassten Studierendenschaft zuerkennen. Vielen geht das aber nicht weit genug, und so fordert so mancher Studentenvertreter schon seit Jahren immer wieder ein allgemeinpolitisches Mandat, das es erlaubt, auch alle anderen Themen - den Irak- und Afghanistankrieg, die Lage in der Dritten Welt oder auch Fragen von Glaube und Religion - in ihre Parlamentsdebatten mitaufzunehmen.