Vorbemerkung von Ortrud Grön:
Sie werden bei den Antworten zu den Träumen sehen, dass ich nicht in der Lage bin, die seelische Situation des Träumenden konkret zu benennen. Dazu sind persönliche Gespräche erforderlich. Ich kann Ihnen hier nur den Weg in die Selbsterkenntnis bahnen. Das aber kann ich aufgrund der Bilder und ihrer objektiven Bedeutung.
Meine Bereitschaft, auch ohne persönliche Gespräche mit den Träumenden etwas zu den Träumen zu sagen, entspricht meinem Bedürfnis, Menschen wieder mit der Gleichniskraft der Bilder unserer Welt vertraut werden zu lassen - eine Fähigkeit, die in der heutigen Zeit weitgehend verloren gegangen ist.

Traum:
Feindliche Flieger schwärzen den Himmel und werden gleich eine riesige Ölanlage bombardieren, neben der ich mich mit anderen Leuten befinde. Ich weiß, dass Flucht keinen Zweck hat, da die gigantische Explosion mich sofort verbrennen und zerfetzen wird. Überdies weiß ich, dass es ohnehin das Ende der Welt ist und keiner überleben wird. Also lege ich mich einfach nahe der Tanks neben ein Auto, mit dem ich gekommen bin und das an einer Art Quaimauer steht, auf den Boden, damit es mich gleich erwischt. Ich hoffe auf einen schnellen Tod. Es macht mir alles nicht viel aus, ich fürchte nur Schmerzen. Von diesem Moment an beobachte ich mich von außen und sehe, wie die Feuerwalze über mich hinweggeht, aber ich sehe mich nicht als Leiche.

Dann bin ich mit den Bösen, die die Welt ausradieren wollen, unterwegs. Wenn sie mit großen Explosionen nicht alle erwischen können, löschen sie auch einzelne Menschen aus.

Wir sind in einem großen Gebäude, eine Art Kindergarten. Es erinnert mich stark an einen Bau meines Gymnasiums, in dem ich ab der neunten oder zehnten Klasse Unterricht hatte. Das Massaker in dem Kindergarten wird von mir unterstützt, da ich weiß, dass es unausweichlich ist, und es allen nach dem Tod besser gehen wird. Wir beginnen im Keller. Ich bitte die Bösen, schnell und gezielt zu töten, damit es die Kinder und die teilweise anwesenden Eltern nicht mitbekommen. Die Bösen halten sich an meine Anweisungen und Wünsche; sie sind eigentlich ganz umgänglich.

Ihre Sprengsätze sind etwas Buntes, Rundes, Lustiges, eine Mischung aus zwei Jonglierbällen und Knallfröschen, die die Kinder für einen Spaß halten. Ich versuche mich auch mal damit, aber kriege die Dinger nicht gezündet. Ich kann also niemanden umbringen, helfe aber den Bösen, im Haus Raum für Raum zu töten, und weise ihnen den Weg. In den anderen Stockwerken herrscht noch fröhliches Leben, die Leute kriegen nichts mit. Trotz des Rauchs und Todes im Keller lebt das Haus auf den anderen Etagen munter weiter. Meine Sorge ist also unbegründet. Bevor ich dort mit den Exekutionen weitermachen kann, werde ich wach.

Obwohl dieser seltsame Traum  immerhin meinen Feuertod und ein Massaker in einem Kindergarten zum Gegenstand hat, bin ich nicht mal erschrocken. Ich bin auch nicht froh, wach zu sein. Eigentlich ärgert es mich eher, dass der Wecker klingelt, und ich bleibe noch lange im Bett liegen, weil ich dem Traum nachhorchen will.

Persönliche Situation der Träumerin:

Einige Monate vor dem Traum hatte ich mich von meinem Freund getrennt, der mich durch seine Selbstbezogenheit und unmäßige Art an die Wand gedrückt hatte. Die Trennung war eine Vernunftentscheidung, eine Art Notbremse. Die Erfahrung, gegen meine eigene, sehr stark empfundene Liebe agieren zu müssen, war für mich damals eine existenzielle Erfahrung, eine Art Schock.
(weiblich, 43 Jahre)

Nachfrage von Ortrud Grön: Wie haben Sie sich in der 9./10. Klasse Gymnasium gefühlt?
Antwort der Träumerin:
Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. In der Schule war ich eher der Kumpeltyp, cool und - zumindest äußerlich - über den Dingen stehend. Eine Zeit lang war ich in einer Jungsclique, die mich aber in der neunten Klasse "rausbissen". Ich habe in dieser Zeit angefangen, meine eigene Welt zu entdecken und mich von den übrigen Leuten aus meinem Dorf abzugrenzen und mich einzuigeln.