2. Treibhauseffekt ist gut für die Pflanzen. Sagt ja schon der Name!Ein Bauern auf seinem Reisfeld in LaosWahrscheinlich Blödsinn
meint Fritz Vorholz, Umweltfachmann der Zeit

Es gibt immer mehr Menschen auf der Welt. Damit steigt nicht nur der Nahrungsmittelbedarf, sondern auch der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas. Deren Verbrennung lässt die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre steigen und treibt die Temperatur in die Höhe - was viele der heute genutzten Pflanzen schlapp machen lässt. Ein Anstieg der Durchschnittstemperaturen um fünf, womöglich sechs Grad, wie ihn der von der UN berufene Weltklimarat (IPCC) für denkbar hält, würde für die meisten Länder Hitzestress bedeuten. Vor allem für solche in tropischen Regionen.

Noch etwas könnte der Klimawandel auslösen: Extreme Wettereignisse. Häufen sich Orkane, Überschwemmungen oder Dürren (was die meisten Klimaforscher vermuten), werden ganze Ernten vernichtet. Dann sinkt das örtliche Nahrungsangebot drastisch und schnell.

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass die Erwärmung nicht nur Einfluss auf die Quantität, sondern sogar auf die Qualität der Nutzpflanzen hat. Die Fachzeitschrift Global Change Biology berichtete kürzlich, dass die Proteinkonzentration im Weizen oder im Reis abnehme, wenn die Pflanzen in einer Umgebung mit erhöhter CO2-Konzentration wachsen.

Ganz genau weiß man all das allerdings nicht. Die Zusammenhänge zwischen Klima und Pflanzenwachstum sind fast ebenso kompliziert wie die Klimamodelle selbst. Viele Pflanzen vertragen zwar etwas höhere Temperaturen - allerdings nur dann, wenn sie nicht schon an heißen Standorten stehen, ihre Wärmetoleranz also bereits ausgeschöpft ist.
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Die andere Frage ist, woher das Wasser für die Pflanzen kommen wird. Die meisten Felder auf der Erde werden ausschließlich vom Regen bewässert. Zwar lassen höhere Temperaturen mehr Wasser verdampfen und wieder auf die Erde fallen. Unterm Strich erhöht der Treibhauseffekt deshalb die Niederschlagsmenge.

Allerdings nur im globalen Mittel. Wo es regnen wird und wo nicht, wo ein Monsun verschwindet und wo einer neu entsteht, lässt sich schwer voraussagen. Um die Sache ganz kompliziert zu machen: CO2 hat auch einen Düngeffekt. Es ist gut für die Pflanzen, wenn mehr davon in der Luft ist. Im Prinzip zumindest.

Inzwischen zeichnet sich ein wissenschaftlicher Konsens darüber ab, dass die Erderwärmung die Produktion von Grundnahrungsmitteln beeinträchtigen wird. In tropischen Gegenden sowieso, und auch auf der Nordhalbkugel, falls die Temperaturzunahme 3 Grad übersteigt. Bis zu dieser Marke, sagt der Forscher Wolfgang Lucht vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, könne der Treibhauseffekt allerdings wirklich ein Treibhauseffekt sein: Im Norden der Welt könnten die Ernteerträge dann um bis zu zehn Prozent wachsen.