3. Die Gentechnik wird alles richten!Verdurstete Rinder in KeniaReine Spekulation
berichtet Christiane Grefe, Landwirtschaftsexpertin der ZEIT

Private Geldgeber engagieren sich zunehmend für die Agrarförderung. Allein die Bill&Melinda Gates Stiftung spendete 300 Millionen Dollar. Doch eine anfängliche Hoffnung scheint auch bei diesen Wohltätern verblasst zu sein: Dass die Agrar- und Gentechnologie das Zaubermittel sei, um Hunger und Armut mit höheren Erträgen zu bekämpfen.

Anfangs läuteten bei vielen Gentechnik-Kritikern die Alarmglocken, als Gates für seine Afrika-Initiative den früheren Vizepräsidenten des Saatgut- und Gentechnikriesen Monsanto, Robert Horsch, gewann. Würde das viele Geld der Gates jetzt alte Träume von neuen technischen Lösungen vorantreiben - nämlich die Hoffnung, Pflanzen durch Züchtung und Gentechnik radikal zu verändern und damit dann die Ernteerträge in die Höhe zu treiben?

Doch in die Genforschung steckt das Ehepaar - zumindest vorerst - nur einen Teil seines Geldes. Gentechnisch veränderte Pflanzen zu züchten, die Dürre, Überschwemmungen oder salzhaltige Böden vertragen, ist kompliziert, teuer und hat bisher noch wenige Ergebnisse erzielt.

Die vom Ehepaar Gates gesponserte Agricultural Alliance for Africa (AGRA) setzt daher zunächst auf konventionell gezüchtete Pflanzen und auf Strategien, die ausgelaugten afrikanischen Böden zu verbessern, Bewässerungssysteme und Märkte zu schaffen. "Afrikanische Bauern können sich auch ohne Gentechnik aus der Armut retten", sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, seit vergangenem Jahr AGRA-Präsident. Welt in Flammen - Proteste und politische Reaktionen. Zum Vergrößern des Ausschnitts klicken Sie bitte auf die Grafik BILD

Auch Pedro Sanchez, ein Experte für Tropenlandbau an der New Yorker Columbia University, sieht "gezielte Investitionen in chemische Agrar-Inputs" als wichtigstes Element, Kleinbauern zu helfen. Das heißt, sie sollten mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln versorgt werden.

Eric Holt-Gimenez ist aber skeptisch angesichts solcher Strategien. Der Forscher der kalifornischen Aktivistengruppe "Food First" glaubt nicht daran, dass man technokratische Lösungen von außen in die afrikanischen Gesellschaften hinein tragen sollte. Das sei wenig nachhaltig. "Wenn die Grüne Revolution in Afrika bisher gescheitert ist, wie soll dann mehr davon die Nahrungskrise lösen?" fragt er.

Holt-Giminez stellt sich eher eine große Vielfalt agroökologischer Systeme vor, die am jeweiligen Ort ganz unterschiedlich auf die Bedingungen der Landschaft, des Klimas und der Kultur reagieren. Darüber sollten die Kleinbauern alleine entscheiden können.

Der Weltagrarrat schrieb in seinem Abschlussbericht, den er gerade in Paris vorstellte, Ähnliches hinein: Industrielle Anbaumethoden verbrauchten ohnehin zu viel Energie und Wasser, und bei der Gentechnik sei es "unklar, ob die gefundenen Vorteile auf die meisten Agrarökosysteme übertragbar und dauerhaft sind".