Die Tageszeitung Die Welt berichtet am Freitag, dass die Affäre bereits in drei Fällen zu personellen Konsequenzen geführt habe. Sie beruft sich dabei "auf gut unterrichtete Kreise". Disziplinarische Maßnahmen wurden demnach gegen den Büroleiter von BND-Präsident Ernst Uhrlau sowie den für die Bespitzelung zuständigen Abteilungsleiter und einen dritten BND-Beamten ergriffen. Die drei Beamten werden demnach versetzt. Die Maßnahmen seien am Donnerstagmittag direkt aus dem Kanzleramt verfügt worden, hieß es. Grund ist die Bespitzelung der Spiegel -Redakteurin Susanne Koelbl in Afghanistan durch den BND.

Unterdessen sprach das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) des Bundestages dem BND und dessen Chef Ernst Uhrlau das Misstrauen aus, und das ungewöhnlich deutlich. Das Verhältnis zur Leitung des Bundesnachrichtendienstes sei gestört, sagte der PKG-Vorsitzende Thomas Oppermann.

In der Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums wurde zudem ein weiteres Detail bekannt, das die Kritik des Gremiums am BND nochmals verstärkte. So war zunächst versichert worden, dass die E-Mails der Spiegel-Journalistin, die durch einen "Trojaner" des BND von der Computerfestplatte des afghanischen Handelsministers Amin Farhang "abgefischt" wurden, unmittelbar nach dem Auftauchen gelöscht worden seien. In der PKG-Sitzung stellte sich jedoch heraus, dass noch Monate später ausgesprochen private E-Mails von Frau Koelbl auf dem Schreibtisch einer BND-Juristin aufgefunden worden sein sollen.

Die ausgespähte Reporterin hat erst im Februar von der Überwachung erfahren. "Anfang Februar dieses Jahres sagte mir jemand, meine E-Mails seien gelesen worden und die Sache würde bald im Parlamentarischen Kontrollgremium behandelt", sagte Koelbl der Süddeutschen Zeitung . Sie habe dann um einen Termin bei BND-Präsident Ernst Uhrlau gebeten. "Wir haben uns dann für Mitte März verabredet. Diesen Termin musste ich kurzfristig absagen. Dann gab es eben diesen zweiten Termin am Freitag voriger Woche", sagte sie.

Sie widersprach damit einer Darstellung, schon im Februar 2007 von einer Mitarbeiterin des BND informiert worden zu sein. "Das ist nicht richtig. Ich habe Anfang 2007 einen vagen Hinweis erhalten. Aber ich konnte das nicht verifizieren und auch nicht glauben. Konkreter wurde es erst im Februar 2008. Und ich muss Ihnen sagen, dass ich es auch dann nicht glauben mochte und konnte."

Das Gespräch mit Uhrlau habe dann gut zwei Stunden gedauert "und war teilweise sehr hart". "Er hat sehr schnell alle Details auf den Tisch gelegt und auch erklärt, dass er erst am 21. Dezember 2007 davon erfahren hat", sagte Koelbl. Er habe um Verständnis gebeten, dass die Lage im Dienst sehr schwierig sei.