Vorletztes Wochenende fand in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, auf Einladung zweier saudischer Think Tanks eine Konferenz mit Saudis, Amerikanern und Europäern zur Zukunft des Iraks statt. Dabei geht es schon längst nicht mehr um die Frage, ob die USA den Krieg im Irak gewinnen können oder nicht. Die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Diese Chance wurde seit Langem vertan, wenn sie denn je bestanden hat.

Die eigentliche Frage aus Sicht Saudi-Arabiens und der anderen arabischen Golfanrainer lautet vielmehr, ob die islamische Republik Iran der große Gewinner des neokonservativen Abenteuers an Euphrat und Tigris sein wird oder nicht. An der Antwort auf diese Frage droht sich aus Sicht Riads auch die Zukunft des eigenen Landes zu entscheiden.

Vieles spricht dafür, dass die Ängste der Saudis berechtigt sind. Eine iranische Hegemonie am Golf allerdings würde das regionale Gleichgewicht der Mächte fundamental verändern und birgt deshalb die Gefahr einer umfassenden Konfrontation in sich.

Saudi-Arabien ist durch die Schwäche Ägyptens, die selbst gewählte Isolation Syriens und die enormen Extragewinne durch den dramatisch angestiegenen Ölpreis de facto zur arabisch-sunnitischen Führungsmacht aufgestiegen. Auch deshalb wird in Zukunft die saudische Position und Politik von noch größerer Bedeutung sein, als sie es bisher schon war.

Freilich dürfen dabei auch die Schwächen des Landes nicht übersehen werden, wie etwa die Legitimation des regierenden Hauses Saud durch sein Bündnis mit dem Wahabismus, die großen Modernisierungs-, Demokratie-, Rechtsstaats- und Menschenrechtsdefizite - vor allem gegenüber den Frauen -, ein großer demografischer Druck durch eine extrem junge Bevölkerung sowie die jenseits des Ölsektors doch schwache Binnenwirtschaft mit hoher Arbeitslosigkeit.

Hinzu kommen ein nur mäßig entwickelter moderner Bildungssektor und die Abhängigkeit der nationalen Sicherheit von externen Scherheitsgarantien. Der Iran setzt auf die inhärente Schwäche des Königreichs und vice versa.

Saudi-Arabien ist es gewohnt, dass seine Sicherheit von mächtigen Verbündeten, wie den USA, garantiert wird. Dabei geht es vor allem um die Sicherung des Öls, denn das Land ist der weltweit größte Ölproduzent mit sehr großen Reserven.