Am 1. Mai entscheiden die Briten nicht nur darüber, wer künftig in ihren Städten und Gemeinden regieren wird. Es geht zugleich um das politische Schicksal von zwei nationalen Figuren: Der eine, Ken Livingstone, kämpft um eine dritte Amtszeit als Oberbürgermeister von London. Der andere, Gordon Brown, vor gerade neun Monaten zum Regierungschef gekürt, fürchtet einen massiven Denkzettel der Wähler, nachdem seine kurze Amtszeit als Premier geprägt war von haarsträubenden politischen Fehlern wie persönlichen Schwächen.

Sollte Labour landesweit eine vernichtende Abfuhr erteilt bekommen, könnte sogar der Ruf nach einer Ablösung von Gordon Brown ertönen. Eigentlich unvorstellbar für die Labourparty, die sich als Partei durch ein hohes Maß an Solidarität wie Geduld mit dem eigenen Führungspersonal auszeichnet, anders als die Konservativen, die stets kurzen Prozess mit Parteiführern machten, die nicht den erhofften Erfolg zu versprechen schienen.

Man erinnere sich: Im vergangenen Herbst stand Torychef David Cameron ziemlich wacklig dar; seine Widersacher auf dem rechten Flügel hatten bereits die Messer gewetzt – hätte Brown damals nicht eine Serie taktischer Fehler begangen und dann auch noch den Mut verloren, Neuwahlen anzusetzen, wäre das Schicksal von Cameron wahrscheinlich schon besiegelt gewesen. So aber kann er sich an den Qualen des politischen Gegners weiden.

Es steht katastrophal schlecht um die Labourregierung. In Großbritannien kristallisiert sich eine Stimmungslage heraus, die jener der Endzeit der Regierung John Majors entspricht, des letzten konservativen Premiers. Lange Zeit konnte sich Labour angesichts eigener fallender Popularität damit trösten, dass die Tories einfach nicht jene siegesgewisse Dynamik entfalten konnten, die auf einen unvermeidlichen politischen Wechsel hinweist. Dieser Trost ist nun auch verflogen.

Nach den neuesten Umfragen liegen die Konservativen landesweit mit 44 zu 26 Prozent bzw. 40 zu 26 Prozent vorn. Sie liegen damit erstmals in dem Bereich, der ihnen eine Mehrheit verheißt. Besorgniserregender noch für 10 Downig Street: Das Ansehen von Gordnon Brown ist dahingeschmolzen wie Schnee in der Frühlingssonne. Vor 6 Monaten lagen Browns persönliche Vertrauenswerte bei mehr als 40 Prozent, nun liegen sie bei ca. minus 40.