Geffen: Ich denke, sie haben Angst. Aber ich will, dass mehr Menschen gegen ihre Regierungen aufbegehren, auf die Bühne gehen und für Frieden beten und für Frieden kämpfen. Ich sehe das in der arabische Welt nicht. Und wenn ich ehrlich sein darf, das regt mich ziemlich auf.

ZEIT online: Was bringt Sie dazu, so fest an den Frieden zu glauben, wenn viele diesen Glauben verloren zu haben scheinen?

Geffen: Es ist ganz einfach: Ich kann meinen Kindern nicht beim Aufwachsen zusehen und gleichzeitig wissen, dass wir hier an jeder Ecke Checkpoints haben und dass 18-jähirge Soldaten darüber entscheiden, ob ein 84-Jähriger die Grenze passieren darf, um ins Krankenhaus zu kommen oder nicht. Ich kann mit diesem Gedanken nicht leben. Obwohl ich die Probleme kenne, die Raketen, die Armee und so weiter. Es ist schwierig. Aber ich lebe in Israel und es ist noch schwieriger für mich zu akzeptieren, dass es nur einige Kilometer von mir entfernt Menschen gibt, die kein Wasser haben, nichts zu essen, keine Heizung, um im Winter ihre Häuser zu wärmen. Das ist nicht menschlich.

Ich kann dem Frieden vertrauen, ich kann den Arabern vertrauen. Viele junge Menschen aus Saudi-Arabien, aus dem Libanon, aus Syrien und Iran besuchen meine Myspace -Seite im Internet und schicken mir Nachrichten. Sie kennen mich und sie alle lieben Musik. Daher denke, ich dass wir dem Frieden eine Chance geben müssen. Wir befinden uns in einer prekären Situation, denn viele Menschen haben einfach nichts zu verlieren. Rein gar nichts.

ZEIT online: Ist denn die israelische Gesellschaft bereit für Frieden? Sie haben eine kurze Zeit in einer israelischen Siedlung verbracht.

Geffen: Ja, ich habe für ein Fernsehprogramm eine Zeit lang im Garten einer Siedlerfamilie gewohnt. Das ist wohl der gefährlichste Ort in Israel, die Siedlung Beit Ain. Ich wollte sehen, wie die Menschen leben und vor allem, warum sie dort leben. Schließlich wissen sie sehr genau, dass das Land, auf dem sie leben, nicht ihnen gehört. Deshalb habe ich ihnen viele, viele Fragen gestellt. Aber wenn ich ehrlich bin: Meiner Meinung nach konnten sie keine einzige davon beantworten. Keiner von ihnen hat Gott um seinetwillen für sich entdeckt. Fast alle kamen aus sehr armen Verhältnissen, einige waren Drogenabhängige. Einer war ein DJ aus New York, dem während eines schlechten Trips plötzlich Gott erschienen war. Niemand, so mein Eindruck, hat sein Leben Gott gewidmet, weil er ihm vertraut, sondern es gab immer andere Gründe. Sie sind Siedler geworden, weil es billig ist. Oder gar kostenlos, schließlich subventioniert Israel das Leben in den Siedlungen. Ich wollte Israel zeigen, warum Menschen tatsächlich in den Siedlungen leben. Und ich denke, Gott hat damit nichts zu tun, er ist entschuldigt. Er wird vorgeschoben, aber in Wahrheit geht es um Geld und um günstiges Land.

ZEIT online: Wenn das so wäre, könnte das Problem der Siedlungen doch leichter gelöst werden.