Erneut hat die Kreditkrise ein Bankenopfer gefordert: Am Montag gab der Bundesverband deutscher Banken (BdB) bekannt, sein Einlagensicherungsfonds habe die Düsseldorfer Hypothekenbank übernommen. Diese Bank ist ein Institut mit 27 Milliarden Euro Bilanzsumme, das vor allem Kredite an Kommunen vergibt und sich über Pfandbriefe refinanziert. Bemerkenswert ist, dass der Notverkauf in einem sehr frühen Stadium stattfand – weder hatte die Finanzaufsicht ein Moratorium verhängt noch hatte die Bank akute Liquiditätsprobleme. Andere Fälle der jüngeren Vergangenheit waren da deutlich spektakulärer. Doch Abschreibungen und die teurer gewordene Refinanzierung hatten den Gewinn des vergangenen Jahres aufgezehrt.

Das schnelle Eingreifen des Feuerwehrfonds soll nach offizieller Lesart einer "geordneten Zuführung an einen neuen Eigentümer" dienen. In Wirklichkeit geht es jedoch um die Reputation des Pfandbriefs – immerhin sind Papiere im Volumen von rund einer Billion Euro im Umlauf. Für Anleger birgt der Pfandbrief zusätzliche Sicherheiten, deshalb galt er bislang immer als krisenfestes Witwen- und Waisen-Papier.

Der Mechanismus funktioniert so: Mit Pfandbriefen können sich Banken nur Geld leihen, wenn sie damit Immobilienkredite finanzieren. Die als Sicherheit dienenden Grundschulden wandern in den sogenannten Deckungsstock. Laut Gesetz dürfen nur 60 Prozent des Immobilienwertes mit pfandbrieftauglichen Grundschulden besichert werden. Wird eine Hypothekenbank insolvent, gehen die Grundschulden an die Inhaber der Pfandbriefe über.

Doch weshalb dann der fast schon panikartige Eingriff des Bankenverbandes, wo doch die Papiere, welche die Düsseldorfer Hypothekenbank emittierte, zusätzlich besichert sind? Grund dafür ist die Angst der Marktteilnehmer, dass selbst beim Pfandbrief unerwartete Risiken auftreten könnten. Würde einer der großen Pfandbrief-Emittenten in die Pleite schlittern, müssten seine Kredite mitsamt Sicherheiten und Refinanzierung direkt von einer anderen Bank übernommen werden, um eine reibungslose Weiterführung zu gewährleisten. Doch was geschieht, wenn dazu kein Institut willens oder in der Lage ist? Diesen Ernstfall mit möglicherweise fatalen Handelsstörungen hat es bislang noch nicht gegeben.