Zuletzt versuchte Roland Koch in Hessen mit seinem ausländerfeindlichen Wahlkampf, die von Abstiegsängsten befallene Mittelschicht für sich zu gewinnen. Kurz zuvor machte der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger von sich reden, als er den ehemaligen NS-Marinerichter Filbinger in einer Grabesrede verteidigte. Erst nach einem Machtwort aus Berlin sah sich Oettinger genötigt, sich von seiner Aussage zu distanzieren. Aber auch er fühlte sich natürlich falsch verstanden und als Opfer einer Medienkampagne.

Dass die Affinität nach Rechtsaußen bei den Konservativen nicht nur Sache einiger Spitzenfunktionäre ist, sondern sich auch beim Nachwuchs großer Beliebtheit erfreut, zeigen aktuelle Beispiele aus Hamburg: So ermittelte die Staatsanwaltschaft im März gegen den Kreischef der Jungen Union in Hamburg-Nord, Alexander Weiß, wegen Beleidigung. Der 22-jährige Jurastudent soll eine südländisch aussehende Kommilitonin als „Niggerschlampe“ beschimpft und „Nicht-Arier“ als „eine Schande für das Juristentum“ bezeichnet haben.

Der Vize-Kreischef der Schüler-Union im Kreis Altona, Patrick Schlemmer, warf dem Hamburger CDU-Senat Anfang April eine „asoziale Politik“ und einen Kuschelkurs gegenüber Migranten vor. Er forderte ein Ende der Zuwanderung, Integrations-Zwang für Ausländer sowie ein Schächtverbot für Muslime. Konsequenterweise kandidierte er dann bei der Bürgerschaftswahl für die rechtsradikale DVU.

Was in der Weltstadt Hamburg selbst bei der Bild -Zeitung noch für Empörung sorgte, sieht in der thüringischen Provinz schon anders aus. Ähnlich wie im benachbarten Sachsen und Sachsen-Anhalt besteht in Thüringen die Gefahr, dass sich die NPD als kommunal- und landespolitische Kraft etablieren kann. Nicht nur in „Browntowns“ wie Apolda, Gera oder Gotha, in denen Angriffe gegen politische Gegner oder Ausländer zum Alltag gehören, auch in Großstädten wie Erfurt fällt ein Blatt wie die Junge Freiheit im Zeitungsständer kaum mehr auf oder gilt sogar als moderat, weil dort mit der Nationalzeitung oder der Deutschen Stimme oft noch radikalere Presseerzeugnisse zu finden sind.

Dass Peter Krause seine Tätigkeit als Redakteur bei der Jungen Freiheit im Nachhinein nicht bedenklich findet, mag am allgemeinen Gewöhnungs- und Abstumpfungsprozess gegenüber rechtsnationalem Gedankengut liegen. Doch mit seinem Rücktritt hat sich das Problem nicht erledigt: Es wird sicher nicht lange dauern, bis der nächste Vertreter des nationalkonservativen Lagers auftaucht. Und, je nach Stimmungslage und Wahlprognose, hat er dann bessere Chancen auf ein CDU-Ministeramt. Im Zweifelsfall wird auch Angela Merkel dies nicht verhindern können. Denn auf den reaktionären Flügel der CDU will sie nicht verzichten.