Der 22. September 2006 ist ein sonniger Spätsommertag im emsländischen Lathen. Doch um kurz vor zehn wird die Idylle jäh zerstört. Mit Tempo 170 rast ein Transrapid der Schwebebahn-Versuchsanlage in einen auf der Strecke vergessenen tonnenschweren Werkstattwagen. 23 Menschen sterben, elf werden verletzt. «Dieses Ereignis hat die Menschen in Lathen verändert», sagt der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode.

An diesem Dienstag dürfte vielen Lathenern das Unglück wieder schmerzlich ins Bewusstsein treten. Dann beginnt am Landgericht Osnabrück (Niedersachsen) der Prozess gegen zwei Mitarbeiter der Testanlage. 18 Zeugen sind geladen, 38 Nebenkläger zugelassen, berichtet Gerichtssprecher Thomas Everdiking. Bislang sind fünf Verhandlungstermine vorgesehen, der letzte für den 21. Mai.

Verantworten müssen sich der Betriebsleiter und dessen Vorgänger. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, bei der Organisation des Testbetriebs Fehler gemacht zu haben: Es habe an einer verbindlichen Anweisung gefehlt, die das Einlegen einer Fahrwegsperre vorgeschrieben habe, wirft die Staatsanwaltschaft den beiden Männern vor. Beide Angeklagten waren beim Unglück nicht auf der Leitstelle. Einer von ihnen war schon im Ruhestand und nur noch aufgrund eines Beratervertrages für die Betreibergesellschaft tätig. Nach Ansicht ihrer Verteidiger steht die Anklage auf tönernen Füßen. Auch die Staatsanwaltschaft schloss bei der Anklageerhebung eine Einstellung des Verfahrens nicht aus.

Gegen einen Beteiligten wird nicht verhandelt. Der diensthabende Fahrdienstleiter, der den Transrapid fahren ließ, obwohl der Werkstattwagen noch auf der Strecke stand, gilt als stark selbstmordgefährdet. Das Verfahren wurde abgetrennt und vorläufig eingestellt.

«Die Mitarbeiter der Testanlage haben ein tiefes Mitgefühl mit den Angehörigen der Toten. Sie haben aber auch ein Mitgefühl für die Verantwortlichen am Unglückstag», sagt der emsländische Landrat Hermann Bröring (CDU). Für alle sei klar, dass menschliches Versagen die Unglücksursache war. Bröring war am Tag der Katastrophe in Lathen. Manchmal habe er die Szenen noch vor Augen, sagt der Politiker, und erinnert sich an das Entsetzen der Menschen, als sie vom Tod ihrer Angehörigen erfuhren.