Günter Wallraff hatte sich schon in den sechziger Jahren mit Undercover-Recherchen in Fabriken einen Namen gemacht. Vor einem Jahr arbeitete er als verdeckter Mitarbeiter in Call-Centern . Seine Reportage darüber im ZEITmagazin löste eine heftige Debatte und eine Gesetzesinitiative aus. Durch sie sollen Kunden vor unerwünschten Werbeanrufen besser geschützt werden.

Nun hat Wallraff einen Monat lang unter falschem Namen als Niedriglöhner in einer Fabrik gearbeitet, die für den Lidl Brötchen backt. Der Discounter ist der einzige Auftraggeber. Entsprechend hoch ist der Druck auf das Zuliefer-Unternehmen: Es muss so billig wie möglich produzieren, koste es, was es wolle.

Wallraff arbeitete bis zur Erschöpfung, erlitt mehrfach – wie auch seine Kollegen – Brandverletzungen. Der 65-jährige Autor war mit den Papieren eines 51-Jährigen eingestellt worden.

Die Niedriglöhner in der Brötchen-Fabrik, die er in seiner neuen Reportage beschreibt, arbeiten unter unwürdigen Bedingungen. Ihnen wird immer wieder nicht nur ein Teil des zustehenden Lohns vorenthalten. Sie leben auch in ständiger Sorge, willkürlich abgemahnt zu werden, und in dauernder Gefahr, sich zu verletzen, weil Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten werden.

Nachdem sich im vorigen Jahr ein Betriebsrat gründete, mobbe der Firmenbesitzer Bernd Westerhorstmann den gewählten Betriebsratsvorsitzenden aus dem Unternehmen. Die Behandlung der Arbeiter, so recherchierte Wallraff, ist so schlecht, damit die Fabrik dem Kunden Lidl billige Brötchen liefern kann.

Die Brötchen würden außerdem häufig unter unhygienischen Bedingungen hergestellt. An mehreren Stellen der Fabrik habe er Schimmelflecken gesehen.

Wallraff plädiert nach der Undercover-Recherche dafür, Lidl so lange zu boykottieren, bis die Arbeitsbedingungen sich grundlegend verbessert haben. Denn durch seinen Preisdruck sei der Discounter für die Ausbeutung der Arbeiter bei den Lieferanten verantwortlich.

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins.