Der Mönch lächelt freundlich. Er schiebt die Falten seiner safranfarbenen Kutte zurecht. "Ich habe einen General getroffen", sagt der 52-jährige U Utta Ra, Abt des Dekkhi Na Yon Klosters in der birmanischen Stadt Rangun, "er hat mich gefragt, welche Hilfe nötig sei. Dann hat er mir fünf Gallonen Treibstoff spendiert, damit ich mit dem Boot suchen konnte". Fast zwei Millionen Menschen warten auf Hilfe in Birma, nach dem der Zyklon "Nargis" das Land verwüstete. Doch der General hat Zeit, sich um die Probleme eines einzelnen Mönchs zu kümmern.

U Utta Ra lächelt und sagt nicht, was er von dem Verhalten hält. Ein paar Tage nach der Katastrophe ist der Klosterabt, der vor 30 Jahren sein Heimatdorf Kokko im Irrawaddy-Delta verlassen hat, in seine Heimat aufgebrochen, um nach Überlebenden zu suchen. Dort, wo das kleine Bauerndorf einmal stand, fand er nur aufgedunsene Leichen und verwesende Kadaver von Wasserbüffeln. "Ich bin auch zu den Nachbardörfern gefahren", sagt er jetzt in seinem Kloster, "überall das gleiche Bild. Es war niemand mehr da".

Schließlich wurde er doch noch fündig. Die Überlebenden hatten sich in ihren Einbäumen flussaufwärts in den Ort Labutta gekämpft. Dort waren sie über das Städtchen verstreut untergekommen. Wer einen Platz unter seinem kleinen Strohdach hatte, lud Neuankömmlinge ein, die sich teilweise Reissäcke umgebunden hatten. Rund 1000 Leute aus dem ehemals 7000 Einwohner zählenden Dorf Kokko haben überlebt.

Jetzt sammelt der Mönch in seinem Kloster Kleider und nimmt auch dankbar Reis an, wenn seine Gläubigen ihn entbehren können. Die prall gefüllten Säcke sollen schon bald nach Labutta geschickt werden. Jedenfalls hofft U Utta Ra, das seine Leute nicht die gleichen Probleme haben, wie die internationalen Hilfsorganisationen, denen das Regime seit einigen Tagen mit wachsender Effizienz Hindernisse in den Weg legt. Die Helfer würden gerne Fachkräfte, Ärzte und Logistikexperten in den Ort schicken, um den Tausenden von Überlebenden zu helfen, die sich voller Verzweiflung in Labutta versammelt haben.

Aber die Generäle ziehen den eisernen Griff immer enger, mit dem sie das Land unter Kontrolle halten. "36 Stunden lang wussten sie nach dem Wirbelsturm nicht, was sie getroffen hatte", sagt ein Landeskenner. Seither versuchen die Militärs gründlich und mit der Beharrlichkeit eines birmanischen Elefanten wieder die Kontrolle zurück zu gewinnen.

"Ausländische Hilfe ja, ausländische Helfer nur in der Stadt Rangun", lautet die Devise, wenn die Generäle das Drängen der Vereinten Nationen und westlicher Staaten blockieren. Das Regime weiß, das es mit dem Rücken zur Wand steht und sich nur mit absoluter Kontrolle an der Macht halten kann. Die Generäle sind nicht völlig grundlos davon überzeugt, dass die USA sie loswerden wollen. Die Ankündigung Washingtons, man könne ein militärisches Delta-Team zur Nothilfe nach Rangun schicken, lies deshalb alle Alarmglocken schrillen - und sie schalteten auf stur.