Worum geht es bei der Wahl des nächsten Bundespräsidenten? Oder genauer, weil die Wahl ja erst in einem Jahr stattfindet: Worum geht es bei der Nominierung der Kandidaten für das höchste Amt im Staat? Um die bestmögliche Person? Um die bestmögliche Konstellation für künftige Koalitionen? Um die Macht- und Führungsverhältnisse in den Parteien? In Wirklichkeit geht es natürlich um all diese Gesichtspunkte zusammen.

Fangen wir ganz einfach an: Weshalb soll nicht jede Partei eine Bewerberin oder einen Kandidaten aufstellen? Man wird dann schon sehen, wer am Ende in der Bundesversammlung eine Mehrheit auf sich vereinigen kann? Aber so funktionieren Parlamente und andere Wahlkörperschaften in der Demokratie nicht, jedenfalls nicht, solange es Parteien und Fraktionen gibt und diese keine deutliche Mehrheit haben, sondern auf Koalitionen angewiesen sind.

Damit sind wir bei der Lage der SPD. Sie könnte einen Bewerber oder eine Kandidatin nicht mit eigener Kraft zum Staatsoberhaupt wählen, nicht einmal zusammen mit den Grünen – und bei der derzeit absehbaren Zusammensetzung der Bundesversammlung wohl nicht einmal mit einer rot-rot-grünen Absprache, weil noch einige versprengte Rechtsextremisten in der Bundesversammlung vertreten sein werden. Der Ausgang der bayerischen Landtagswahl im Herbst könnte Schwarz-Gelb zwar um die gegenwärtige knappe Mehrheit in der Bundesversammlung bringen. Aber in keinem Fall könnte die SPD jemanden ohne Stimmen der Linkspartei ins Amt bringen.

Will die SPD also selber eine Person nominieren, und sei sie noch so respektabel, muss sie deshalb einige peinliche Fragen beantworten: Will sie nur eine Zählkandidatin vorschlagen und dafür Gesine Schwan nochmals beanspruchen, wie vor vier Jahren, als Jutta Limbach zunächst absagte, weil sie sich nicht verheizen lassen wollte und Gerhard Schröder deshalb die Frankfurter Universitätspräsidentin nächtens in einem New Yorker Hotel aus dem Bett klingeln musste? Oder will sie, nach Hessen und dem Wortbruch von Andrea Ypsilanti und Kurt Beck, uns steif und fest versichern, im Bund wenigstens komme irgendeine Kooperation mit der Linkspartei nicht infrage – selbst wenn sie ein Vierteljahr vor der Bundestagswahl ausgerechnet das Staatsoberhaupt zusammen mit der Linken wählen will?

Damit wäre nicht nur der Wahlkampf 2009 belastet. Weil die SPD ja schon jetzt sagen müsste, wie sie ihre Kandidatin ins Amt heben will, würde ihr bereits das als Hintergehung ihrer Absage an ein Linksbündnis im Bund ausgelegt werden. Bis zum Wahltag würde ihr das 16 Monate lang um die Ohren gehauen werden. Und dieses Risiko müsste sie eingehen, obwohl gar nicht abzusehen ist, wie die Wahl in der Bundesversammlung ausginge, ob genügend Wahlmänner und -frauen gegen Köhler und für eine gemeinsame Linkskandidatin stimmen würden.