Die Sozialdemokraten führen derzeit mal wieder gleich mehrere Trauerspiele auf: Im Streit um eine Begegnung mit dem Dalai Lama demonstrieren ihre Minister öffentlich ihre Uneinigkeit , und auch in der Debatte um die Wiederwahl von Horst Köhler wirkt die Parteispitze getrieben statt handelnd.

Weil der Vorsitzende Kurt Beck im Verhältnis zur Linkspartei vor der Hamburg-Wahl stümperhaft eine Kehrtwende vollzog und sich damit selbst schwer ramponierte, traut er sich nun nicht, in der Bundespräsidentenfrage klar Position zu beziehen. Erst lässt er, um eine erneute Debatte über eine Zusammenarbeit mit der Linken zu vermeiden, durchsickern, dass die SPD Köhler unterstützen werde, wenn der noch einmal antritt. Dann trifft die Parteiführung am Wochenende die mögliche Gegenkandidatin Gesine Schwan und nährt so - ob gewollt oder nicht - die Vermutung, dass sie doch noch nicht festgelegt ist.

Dabei ist die Entscheidung eigentlich gar nicht so schwer: Wenn die SPD sich ihrem Schicksal ergeben und zeigen will, dass sie auf absehbare Zeit jeden eigenen Gestaltungs- und Machtanspruch aufgibt, wählt sie im kommenden Jahr den schwarz-gelben Kandidaten Horst Köhler für eine zweite Amtszeit mit. Ohne jedes Wenn und Aber. Wenn sie jedoch unter Beweis stellen möchte, dass sie trotz aller Probleme und Schwächen eigene Alternativen durchzusetzen versucht, dann nominiert sie eine eigene Kandidatin.

Gesine Schwan wäre dafür prädestiniert wie kaum eine andere. Die Präsidentin der Universität Frankfurt/Oder ist keine Parteipolitikerin, sondern eine unabhängige, im besten Sinne eigenwillige Persönlichkeit. Sie genießt hohes Ansehen, als Wissenschaftlerin und durch ihre erste, nur knapp gescheiterte Kandidatur 2004. Und auch wenn sie nach Lage der Dinge im Mai 2009 nur mit Hilfe der Linken zum Staatsoberhaupt gewählt werden könnte, wäre sie keineswegs eine "Links-Kandidatin".

Vielmehr hat sie bereits 2004 deutlich gemacht, dass sie eine Antikommunistin ist und bleibt, also über jedem Verdacht steht, einem Linksbündnis im Bund zur Macht verhelfen zu wollen. Dennoch hat damals eine Großteil der seinerzeitigen PDS-Abgeordenten für sie gestimmt.

Vor allem aber ist Gesine Schwan eine Frau. Schon als die SPD 1999 ihren altgedienten Genossen Johannes Rau ins Schloss Bellevue bugsierte, forderten viele, statt ihm endlich einmal eine weibliche Bewerberin ins höchsten Amt im Staat zu schicken. Jetzt wäre erst recht Zeit dafür.