ZEIT online: In den letzten Tagen war in den Katastrophengebieten in Birma und China immer wieder die Rede von einer erhöhten Seuchengefahr. Welche Krankheiten haben die Menschen dort zu befürchten?

Peter Walger: Auf jeden Fall drohen Infektionen mit sogenannten Fäkalkeimen, die schwere Durchfallerkrankungen verursachen. Das sind Salmonellen, Cholera und andere Darmkeime. Der entscheidende Grund dafür ist der Zusammenbruch der Trink- und Abwassersysteme durch die Überschwemmungen oder das Erdbeben. Das Trinkwasser vermischt sich mit dem Abwasser und wird durch Kadaver toter Tiere oder von Leichnamen verseucht. Die Menschen schöpfen dieses Wasser und sind damit permanent gefährdet Keime aufzunehmen.

ZEIT online: Gibt es spezielle Gefahren in diesem Fall?

Walger: Ja, ein zweites Problem ist die Malaria. Mücken, die sie übertragen, sind an wasserhaltige und sumpfige Strukturen gebunden. Wenn Überschwemmungen in potenziellen Brutgebieten auftreten, vermehren sich explosionsartig die Brutmöglichkeiten. Dann gibt es mehr Mücken und die Übertragungsrate nimmt zu. Das wird zumindest für Birma auch als Bedrohungsszenario an die Wand gemalt.

ZEIT online: Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders betroffen?

Walger: Besonders gefährdet sind natürlich Kinder, sowohl für Durchfallerkrankungen als auch für Malaria. Daher wird in diesen Gegenden in der Folge auch mit einer erhöhten Kindersterblichkeit zu rechnen sein. Zum anderen sind alte Menschen betroffen, deren Immunabwehr geschwächt ist. Am wenigsten gefährdet sind die Erwachsenen mittleren Alters, die ein kräftiges Immunsystem haben und Infektionen oder Durchfall im Allgemeinen besser überstehen.