Knapp eine Woche nach dem Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan hat ein Nachbeben der Stärke 6,1 das Katastrophengebiet erschüttert. Das berichtete das Geologische Institut der USA (USGS). Zuvor waren in Sichuan Tausende Menschen und auch die Bergungsmannschaften aus Angst vor einem Dammbruch aus ihren Häusern geflüchtet.

Die Menschen in der Stadt Beichuan brachten sich in höher gelegene Gebiete in Sicherheit, weil sie eine Flutwelle befürchteten, wie die ARD-Korrespondentin Ariane Reimers berichtete, während sie selber mit dem Kameramann und einer Assistentin den Berg heraufrannte. Die Menschen riefen «lauft, lauft» oder «schnell, schnell». «Alle helfen sich gegenseitig, auch an Engpässen.»

Anfangs habe es kurz Panik und Hektik gegeben, doch sei die Evakuierung nach zehn Minuten eher wie ein «geordneter Rückzug» verlaufen. «Alle ziehen aus der Stadt ab.» Kurz zuvor hatten Soldaten der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, der Wasserstand steige, und der Damm könne «jederzeit brechen». Die Zerstörung in der Stadt, wo nur 10.000 der 30.000 Einwohner überlebt haben, nannte Reimers «unfassbar». «Alles ist voller Leichen.»

Oberhalb von Beichuan hatte ein Erdrutsch nach dem Beben einen Fluss blockiert, so dass sich ein See herausbildete. Experten waren bereits zu diesem natürlichen Damm aus Geröll, Felsen und Erde gefahren, um die Gefahr einschätzen zu können.

Durch die schlechten hygienischen Bedingungen bei feuchtwarmem Wetter steigt auch die Gefahr vor Seuchen. Die Leichen können nicht schnell genug beerdigt oder eingeäschert werden. Trotz der großen Hilfsaktion mangelt es an ärztlicher Versorgung. Mehr als 100.000 Soldaten sind im Einsatz, um in den Trümmern nach Opfern zu suchen und die Hilfe zu organisieren.