Nach dem Erdbeben der Stärke 7,9 in China mit voraussichtlich mehr als 50.000 Toten hat ein starkes Nachbeben der Stärke 5,6 die schwer betroffene Provinz Sichuan erschüttert. Die Bergungsarbeiten in einigen Orten mussten vorübergehend eingestellt werden. Dies berichteten chinesische Medien.

Das Nachbeben war auch in Chengdu deutlich zu spüren. «Der Flughafen hat gewackelt», berichtete ein Passagier. Zwei Stunden vorher hatte ein Nachbeben bereits die Stärke 5,1 erreicht. Seit Montag haben Seismologen zahlreiche Nachbeben bis zu einer Stärke von 6,5 gemessen.

Im Katatstrophengebiet wächst zudem die Seuchengefahr. Die Regierung mahnte, dass die Leichen möglichst schnell und abseits von Wasserquellen oder bewohnten Gebieten beerdigt werden sollten. Das Parteiorgan Renmin Ribao (Volkszeitung) verbreitete einen Aufruf: «Wir müssen gegenüber den potenziellen Gefahren höchst wachsam sein und vorbeugende Maßnahmen ergreifen.»

Regierungschef Wen Jiabao mahnte, dem Ausbruch von Epidemien besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Auch Vizegesundheitsminister Gao Qiang sagte, die Rettung von Leben habe in der ersten Phase nach der Katastrophe Vorrang, doch müssten jetzt die hygienischen Bedingungen, die Seuchenkontrolle und Vorbeugung besondere Beachtung finden.

Die Behörden wurden aufgerufen, die Lage genau zu beobachten, um sofort den möglichen Ausbruch von Seuchen festzustellen. Auch die mehr als 130.000 Soldaten und Angehörige paramilitärischer Einheiten, die bei den Bergungsarbeiten helfen, wurden zur Wachsamkeit aufgerufen.

Ein hoher Parteifunktionär der schwer betroffenen Präfektur Aba, Bai Licheng, sagte, die hohen Temperaturen beschleunigten die Zersetzung der Leichen. Nach einem Besuch in dem schwer zerstörten Ort Yingxiu sagte Bai Licheng, die Leichen lägen auf dem Boden und schlechter Geruch liege bereits in der Luft. «Wir brauchen dringend Leichensäcke.»

Neue Gefahr drohe auch durch Schäden an mehr als 500 Staudämmen im Erdbebengebiet. Sollten sie brechen, könnten weite Landstriche überflutet werden. Mehr als 500 kleinere und mittlere Staubecken in der Provinz Sichuan und der Region von Chongqing sind nach offiziellen Angaben beschädigt. In diesem Monat beginnt in der Erdbebenregion die jährliche Regenzeit, so dass die Wasserstände der Flüsse und Reservoirs ansteigen werden.