Enormer Schub für Barack Obama: Nach monatelangem Zögern hat sich der unterlegene demokratische US-Präsidentschaftsbewerber John Edwards hinter die Kandidatur seines früheren parteiinternen Rivalen gestellt. "Es gibt einen Mann, der in seinem Herzen weiß, dass es an der Zeit ist, ein geeintes Amerika zu schaffen - und dieser Mann ist Barack Obama", sagte Edwards bei einer gemeinsamen Wahlkampfveranstaltung mit dem Senator aus Illinois im US-Bundesstaat Michigan.

"Die Wähler der Demokraten haben sich entschieden, ich habe mich entschieden", erklärte John Edwards mit Blick auf den Vorsprung Obamas bei den Delegiertenstimmen. Der Senator aus Illinois sei der Mann, der die Mauern in der amerikanischen Gesellschaft sowie
zwischen den Menschen und der politischen Führung in Washington einreißen könne. Er rief die demokratische Partei zur Geschlossenheit auf, um bei der Präsidentschaftswahl am 4. November den republikanischen Bewerber John McCain zu schlagen.

Der frühere Senator aus North Carolina war Ende Januar aus dem Vorwahlkampf  ausgestiegen und hatte es seitdem offen gelassen, ob er Obama oder dessen Rivalin Hillary Clinton unterstützen werde. In seiner Rede in Michigan fand Edwards auch anerkennende Wort für Clinton. "Die Frau ist aus Stahl", sagte er. Sie habe im Vorwahlkampf "Stärke und Charakter" bewiesen. "Es ist schwer, dort hinauszugehen, zu kämpfen und zu sprechen, wenn sich die Dinge gegen einen wenden."

Obama dankte Edwards für die Unterstützung und "für alles, was John bereits getan hat, um ein geeintes Amerika zu schaffen". Ein Kommentator des US-Fernsehsenders CNN sagte: "Diese Nominierung ist zu Ende."

Tatsächlich gilt der Schritt Edwards als möglicherweise entscheidende Entwicklung für den Wahlkampf Barack Obamas. Edwards hatte sich vor allem dem Kampf gegen die Armut sowie den Anliegen der Mittelklasse und der Arbeiterschaft verschrieben und war bei diesen Wählern besonders beliebt. Wie die Vorwahlen vom Dienstag im US-Staat West Virginia zeigten, stehen gerade weiße Arbeiter Obama skeptisch gegenüber. In dem Staat der Kohlebergwerke hatte der Senator aus Illinois äußert schwach gegen Hillary Clinton abgeschnitten.

Clintons Wahlkampfleiter Terry McAuliffe sagte nach Edwards Ankündigung, Clintons Team respektiere Edwards. Aber das jüngste Vorwahlergebnis in West Virginia zeige, dass die Entscheidung im Rennen zwischen den demokratischen Kandidaten noch nicht gefallen sei. Clinton erzielte in dem industriell geprägten Bundesstaat am Dienstag mit 67 Prozent der Stimmen den erwarteten klaren Sieg. Obama kam lediglich auf 26 Prozent der Stimmen. Seine Führung in der Gesamtwertung der US-Demokraten ist aber unangefochten. Clinton erklärte, sie sei "entschlossener denn je", ihre Kampagne bis zum Ende der Vorwahlen am 3. Juni fortzuführen. "Der Wahlkampf geht weiter", sagte sie.

Im parteiinternen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ist Obama jedoch auf Siegeskurs: Nach einer CNN-Zählung verfügte Obama am Mittwoch über 1600 an die Vorwahl-Ergebnisse gebundene Delegiertenstimmen, seine Rivalin über 1445. Obama hatte überdies 284 Superdelegierte auf seiner Seite, Clinton 273. Für eine Nominierung ist nach derzeitigem Stand eine Mehrheit von 2025 Delegiertenstimmen nötig.