Die Oneida leben im Norden des Staates New York, nahe der kanadischen Grenze. Sie sind einer von sechs Stämmen, zu denen auch Mohawk, die Cayuga, die Onondaga, die Seneca und die Tuscarora gehören. Von den Franzosen wurden die sechs Völker Iroquois genannt, Irokesen. Sie selbst nennen sich Haudenosaunee, "Menschen, die lange Häuser bauen". Ihr Schicksal gleicht denen vieler Indianer: Obwohl sie im Revolutionskrieg auf Seiten der Amerikaner gegen die Briten gefochten haben, und sie mit Washington einen Vertrag über ihr Stammeslandes abgeschlossen hatten, wurde es ihnen gestohlen.

Dagegen klagen die Oneida. Der Fall soll demnächst vor dem Supreme Court, dem höchsten Gericht der USA, verhandelt werden. Es geht um 250.000 Acres, eine Fläche größer als Berlin. Weil die Klage aber schon seit vielen Jahren läuft, sind die Indianer zwischendurch auf eine andere Idee gekommen: Sie haben einen Teil des Landes einfach zurückgekauft, erst einmal 17.000 Acres. Aber auch das birgt juristische Fallstricke: Denn es ist strittig, ob das Territorium - auf dem heute ein Kasino steht - echtes Indianerland ist. Seit Jahren wird über den Status gestritten. In den kommenden Wochen will das Innenministerium in Washington, D.C., dazu nun eine Entscheidung treffen.

"Wir wollen, dass das erworbene Areal rechtlich ein Teil des Reservats wird“, sagt Ray Halbritter. Halbritter ist der Repräsentant der Oneida und Geschäftsführer der Stammesunternehmen. Indianische Reservate sind selbstständige Gebiete, die der Bundesregierung in Washington unterstehen, nicht aber dem Staat New York. Daher dürfen sie auch von diesem nicht besteuert werden. Das aber passt der Staatsregierung in Albany nicht, und auch nicht den Weißen in den umliegenden Vorstädten. Mit einer dieser Städte, Sherrill, liegen die Oneida deshalb im Rechtsstreit. "Wenn das Land ins Reservat eingegliedert wird, dann können die Oneida frei entscheiden, was sie dort bauen und wie sie das Land nutzen, ohne staatliche Auflagen zu beachten", kritisiert der Utica Observer-Dispatch.

Die Oneida aber stehen auf dem Standpunkt, das Land gehöre nach den gültigen US-Gesetzen ihnen, und der Staat habe es ihnen abgeschwindelt. Denn 1794, im Vertrag von Canandaigua, hat Washington den sechs Völkern der Haudenosaunee sechs Millionen Acres zuerkannt, südwestlich des Mohawk Valley, wo die Lederstrumpf-Romane von James Fenimore Cooper spielen, entlang des Lake Ontario, des Lake Erie und der Niagarafälle.

Das Land war Gemeinschaftseigentum der Stämme, aber die Staatsregierung drückte um 1830 ein paar indianischen Führern Geld in die Hand und nahm ihnen das Land ab. Kurz darauf wurde es zum fünffachen Preis an weiße Siedler verkauft. Danach wurden viele Oneida vertrieben, nach Wisconsin und nach Kanada.

Damit teilen die Oneida das Schicksal vieler Stämme. Bis zu 20 Millionen Indianer lebten einmal auf dem Gebiet der USA, heute sind es noch zwei bis drei Millionen. Erst im 20. Jahrhundert, als Indianer Bürgerrechte bekamen, fingen sie an, um ihr Land zu kämpfen, angeführt von Mary Winder vom Wolf-Klan der Oneida, der Großmutter von Halbritter. Sie sandte Petitionen nach Washington, die ersten Klagen wurden eingereicht. Ein paar Tausend Oneida zogen ins Mohawk Valley zurück. 1974 urteilte ein Richter des Northern District of New York, die Indianer seien zwar betrogen worden, das Land könne ihnen aber nicht zurückgegeben werden, weil das zu viel Unruhe verursache - obwohl die Weißen dort das Bleiberecht nicht verlören.