Die Gefahr einer weiteren großen militärischen Konfrontation schwebt über dem Nahen Osten wie eine dunkle Wolke. Warum? Weil eine verfehlte amerikanische Politik im Irak die Feinde der USA und ihrer Verbündeten in der Region gestärkt und nicht geschwächt hat. Vor allem Iran – immerhin ein Mitglied der Achse des Bösen! – wurde durch die amerikanische Politik in eine hegemoniale Rolle gehievt, die er aus eigener Kraft kaum und vor allem nicht in so kurzer Zeit hätte erreichen können.

Dadurch wurde ein latent immer schon vorhandener Hegemonialkonflikt im Nahen Osten in einen offenen Kampf um die regionale Vorherrschaft verwandelt. Die beiden Hauptkontrahenten der Region sind Iran und Israel, das sich – erstaunlich genug – in einer objektiven Allianz mit Saudi-Arabien befindet. Sowohl Israel als auch Saudi-Arabien fühlen sich durch den Aufstieg Irans zum regionalen Hegemon existenziell bedroht. Es sind heute im Nahen Osten neue Allianzen entstanden: Iran, Syrien, Hisbollah, Hamas und bizarrerweise die schiitisch dominierte irakische Regierung, die zugleich auch von den USA unterstützt wird, stehen gegen Israel, Saudi-Arabien und die meisten der anderen sunnitisch-arabischen Staaten.

Verstärkt wird die Gefahr einer großen Konfrontation durch den anhaltend hohen Ölpreis, der Iran neue finanzielle und machtpolitische Möglichkeiten eröffnet. Hinzu kommen die Niederlagen des Westens und seiner regionalen Verbündeten in Stellvertreterkriegen wie in Gaza und jüngst im Libanon. Und nicht zuletzt verstärkt sich die Möglichkeit einer Konfrontation durch das bisherige Scheitern des UN-Sicherheitsrats, mittels Sanktionen und diplomatischer Mittel Iran zum zumindest zeitweiligen Einfrieren seines Atomprogramms zu veranlassen.

Das iranische Atomprogramm ist in dieser Gleichung der entscheidende dynamische Faktor, der das strategische regionale Gleichgewicht endgültig zu kippen droht. Ein Iran, dessen Präsident nicht müde wird, Israels Auslöschung und Verschwinden laut zu verkünden, der zudem faktisch militärisch an Israels Süd- und Nordgrenze steht und Stellvertreterkriege gegen das Land massiv fördert und der dann noch eines Tages über Trägerraketen mit nuklearen Sprengköpfen verfügt, ist für Israel der sicherheitspolitische Albtraum schlechthin.

In der Politik geht es nicht nur um Tatsachen, sondern vor allem um deren Wahrnehmung. Ob man diese nun für Realität oder bloße Einbildung hält, tut nichts zur Sache. Die Wahrnehmung zählt, weil diese zu Entscheidungen führt. Dieser Vorrang der Wahrnehmung gilt ganz besonders dann, wenn die Akteure es mit Bedrohungen oder gar mit existenziellen Bedrohungen zu tun haben.