Noch bevor die große Show auf dem höchsten Berg des Landes ihren Lauf nahm, nickte Joachim Löw kurz und deutete an, was dann kommen sollte: "Ja, nach Überraschungen werde ich oft gefragt". Seit sein Vorgänger Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 die Nominierung zu einem Event gemacht hat, ist nun auch Löw für so etwas zuständig.

Den Odonkor-Effekt, also ein überraschend nominierter Fußballer, gab es auf der Zugspitze, wo die Nominierten bekannt gegeben wurden, dann gleich in dreifacher Ausführung: David Odonkor selbst, der junge Torwart René Adler und - für einige sogar die Steigerung des Odonkor-Effektes, also ein Odonkor-Odonkor-Effekt - der 19-jährige Marko Marin.

Noch vor dem Meinungsaustausch über die drei Fußballer hatte Oliver Bierhoff aber ein großes Tamtam auf dem großen Berg organisiert: Dem Himmel ganz nah saßen die Chefs des deutschen Fußballs in einer Reihe: DFB-Mediendirektor Harald Stenger, Jogi Löw, Co-Trainer Hans-Dieter Flick, Andreas Köpke und Oliver Bierhoff in schwarzem Jackett, weißem Hemd und Dieter-Bohlen-Blick.

Bierhoff wollte mit der Präsentation der Spielernamen in den Bergen eine Symbolik schaffen. "Wir wollen hoch hinaus", sagte er. Neben ihm lag ein Fußball, groß wie ein Gabelstapler. Die Stimmung konnte man vergleichen mit einer Mischung aus Oscarverleihung und "Deutschland sucht den Superstar Folge 17". Manager Bierhoff jedenfalls lächelte ohne Pause.

Joachim Löw tat sich da etwas schwerer. Jedes Mal mit offenem Mund zu grinsen, wenn ein Siebenjähriger die Bühne betritt und auf seinem Rücken den Name eines nominierten Spielers präsentiert, ist nicht so sehr seine Sache. Dafür gab der Nationaltrainer ein paar fundierte Erklärungen zu den Odonkor-Effekten dieser Show ab.

Er presste die Lippen zusammen, bevor er erklärte, dass Timo Hildebrand, lange die Nummer zwei im Tor der Nationalmannschaft, bei der EM noch nicht einmal dabei sein wird. Weil Andreas Köpke und er unbedingt René Adler als junge Perspektiv-Nummer eins mitnehmen wollten, mussten sie sich zwischen Robert Enke und Hildebrand entscheiden. Wer das negative Ergebnis dann erfährt, ist "schmerzlich enttäuscht", sagte Löw.