Horst Köhler sagt nichts. "Warten Sie´s ab", antwortete er in dieser Woche in einem Illustrierten-Interview auf die Frage, ob er im kommenden Jahr noch einmal für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren wolle. Lange wird Köhler jedoch nicht mehr schweigen können, falls er sich an sein Wort gebunden fühlt. Schließlich hatte er in der Vergangenheit angekündigt, etwa ein Jahr vor dem Wahlakt am 23. Mai 2009 zu sagen, ob er für eine zweite Amtszeit zur Verfügung steht.

Das Datum nähert sich. Es könnte also sein, dass Horst Köhler bereits in der kommenden Woche seine Zukunftspläne öffentlich macht. Betrachtet man die Signale der letzten Wochen, dann lässt sich aus diesen nur ein Schluss ziehen: Köhler strebt eine zweite Amtszeit an und hat seinen Entschluss auch den Spitzen der Bundestagsparteien signalisiert. Verhielte es sich anders, würden Union und FDP nicht so vehement die Werbetrommel für eine Wiederwahl Köhlers rühren.

Und die SPD? Sie sitzt strategisch in der Falle. Die Bundespräsidentenwahl am 23. Mai 2009 besitzt eine enorme Signalwirkung mit Blick auf die Bundestagswahl Ende September. Den Sozialdemokraten bleibt dabei nur die Wahl zwischen zwei für sie schlechten Optionen. Entweder sie winken die Wahl Köhlers durch und geben damit ihren Anspruch auf, bei der Kandidatenkür mitzureden. Das wäre ein Eingeständnis der eigenen Schwäche. Oder sie nominieren einen eigenen Kandidaten, für den sie in der Bundesversammlung aber aller Voraussicht nach keine Mehrheit hätten - und handeln sich im Gegenzug eine Debatte über ihr Verhältnis zur Linkspartei ein. Von der Bundespräsidentenwahl könnte also entweder ein schwarz-gelbes oder ein rot-rot-grünes Signal ausgehen. Beides kann der SPD überhaupt nicht gefallen.

Was die Angelegenheit noch komplizierter macht, sind die unklaren Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung, die sich aus den 612 Bundestagsabgeordneten und der gleichen Anzahl von Ländervertretern zusammensetzt. Noch haben Union und FDP dort eine hauchdünne Mehrheit von ein bis zwei Stimmen. Diese bürgerliche Mehrheit geht aber mit großer Wahrscheinlichkeit bei der bayerischen Landtagswahl im Herbst verloren.

Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass in der Folge das linke Lager eine Mehrheit gewönne. Schließlich werden auch die rechtsextremen Parteien DVU und NPD zusammen 5 Vertreter in die Bundesversammlung entsenden. Womöglich könnten diese dann die Wahl des nächsten Bundespräsidenten entscheiden. Nichts wäre für die gesamte politische Klasse peinlicher und verheerender, als Spekulationen über einen solchen Bedeutungsgewinn der Rechtsextremisten. Unvorstellbar auch, dass sich Horst Köhler auf ein solches Vabanquespiel einlässt.

Das sind keine schönen Aussichten. Kein Wunder, dass sich die SPD mit einer Entscheidung extrem schwer tut. Schließlich wird Köhler, auch wenn er sich in weiten Teilen der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut, in der Öffentlichkeit als Kandidat von CDU, CSU und FDP wahrgenommen. Die drei bürgerlichen Parteien haben ihn vor fünf Jahren gegen die rot-grüne Bundesregierung ins Amt gewählt und damit ein Signal gegen Rot-Grün gesetzt.