Bei den Aufräumarbeiten im Erdbebengebiet sind seit Samstag mehr als 200 Straßenarbeiter und andere Mitglieder der Hilfsmannschaften durch Schlammlawinen und Erdrutsche verschüttet worden. Das berichtete am Montag in Peking ein Sprecher des
Verkehrsministeriums nach Angaben chinesischer Medien. Schwere Regenfälle und starke Nachbeben hatten am Wochenende das Katastrophengebiet heimgesucht und neue Erdrutsche ausgelöst.

Auch sieben Tage nach dem Erdbeben werden immer noch Menschen gerettet. Eine 50-jährige Frau wurde am Montag aus den Trümmern eines Wohngebäudes einer Kohlegrube in Tianchi geborgen. Sie zeigte nur noch «schwache Lebenszeichen» und wurde in ein Krankenhaus gebracht, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Suchgeräte der Bergungstrupps deuteten darauf hin, dass vielleicht noch mehr Überlebende an der Stelle zu finden sein könnten. Eine weitere Frau wurde am Montag in der Kreishauptstadt Beichuan im südwestchinesischen Erdbebengebiet von Sichuan lebend aus den Trümmern geborgen. Retter hätten berichtet, dass die Frau bei ihrer Bergung bei Bewusstsein gewesen sei, schrieb Xinhua.

Mit einer Flaggenzeremonie bei Sonnenaufgang am Platz des Himmlischen Friedens
(Tian'anmen) begann am Montag eine dreitägige Staatstrauer. Die Nationalfahne und alle anderen Flaggen im Land wehten auf halbmast. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Volksrepublik, dass auf diese Weise für die Opfer einer Katastrophe getrauert wird. Bisher
wurde eine solche Staatstrauer nur nach dem Tod von Staatsführern angeordnet. An der morgendlichen Flaggenzeremonie um 04.58 Uhr Ortszeit nahmen laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua rund 2600 Zuschauer teil.

Auch der olympische Fackellauf in China wird drei Tage lang unterbrochen. Alle Unterhaltungsaktivitäten im Land sind solange ausgesetzt. Um 14.28 Uhr Ortszeit (08.28 Uhr MESZ) - genau eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben - wollte die Nation in drei
Schweigeminuten der voraussichtlich mehr als 50.000 Toten im südwestchinesischen Erdbebengebiet gedenken. Am Ende sollen Sirenen ertönen und Autos hupen. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen sowie die chinesischen Waren- und Terminbörsen werden für die drei Minuten ihren Handel aussetzen.

Drei Tage sollen Vergnügungsstätten wie Karaoke-Bars oder Diskotheken ihren Betrieb einstellen. Im Internet mussten alle Spieleseiten oder Unterhaltungsseiten gesperrt und mit Hinweisen auf die Trauer versehen werden. Bei Zuwiderhandlung droht die Schließung der Portale, wie aus einer Anweisung hervorging. Alle Suchfunktionen für Musik oder Videos in Suchmaschinen wurden gesperrt. Die großen Webportale erschienen am Montag in den chinesischen Trauerfarben Weiß, Schwarz und Gelb und widmeten sich vor allem der
Berichterstattung über die Opfer der Katastrophe.

Auch ausländische Botschaften in Peking hissten ihre Flaggen auf Halbmast. In allen chinesischen Botschaften im Ausland lagen Beileidsbücher aus. Bislang sind 32.5000 Tote bestätigt, doch geht der Krisenstab von mehr als 50.000 Todesopfern aus. Rund 220.000
Menschen wurden verletzt. Mehr als 100.000 Verletzte werden in Hospitälern oder Lazaretten behandelt. Tausende Opfer liegen noch unter den Trümmern begraben. Viele Dörfer in den Bergen sind noch immer von der Außenwelt abgeschnitten.