Dass das Rentenrecht eine komplizierte Angelegenheit ist, ist bekannt. Ganz schlimm wird es aber, wenn es um die Rentenansprüche geht, die Geschiedene gegenüber ihrem Ex-Partner geltend machen können. "Da blickt ja kein Mensch mehr durch", gibt selbst Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) offen zu.

Diese Unübersichtlichkeit ist allerdings nicht nur ein Problem für Richter und Anwälte, sondern sie hat ganz konkrete Auswirkungen auf den Lebensstandard von älteren Geschiedenen und trifft besonders Frauen. Denn in der Mehrheit der Fälle sind es immer noch sie, die während der Ehe bei den Kindern bleiben oder nur wenig verdienen und deswegen später auf Rentenansprüche des Ex-Mannes angewiesen sind.

Vom bisherigen Rentenrecht werden sie allerdings benachteiligt. Zum einen, weil es auf unsicheren Prognosen beruht, zum anderen, weil Frauen aufgrund der Kompliziertheit der Regelungen häufig gar nicht alle Ansprüche geltend machen, die ihnen zustünden. So ist auch die bisherige gesetzliche Lage daran mit schuld, dass besonders Frauen mit Altersarmut zu kämpfen haben.

Geht es nach dem Willen der Justizministerin, soll sich dies nun ändern. Sie hat dazu eine Reform des sogenannten Versorgungsausgleichs vorgelegt, die am Mittwoch im Bundeskabinett beschlossen wurde.

Ganz gut funktioniert das Ausgleichssystem bisher schon in der gesetzlichen Rentenversicherung. Erwirbt beispielsweise der Mann während der Ehe einen Rentenanspruch von 1700 Euro, die Frau aber nur von 100 Euro, so muss der Mann später die Hälfte des Differenzbetrags – also 800 Euro – an die Frau abgeben.

Kompliziert wird es allerdings, wenn es um Betriebs-, Riester- oder andere private Rentenversicherungen geht. Dann nämlich müssen Anwartschaften in das System der gesetzlichen Rentenversicherung umgerechnet werden. Ein Verfahren, das nicht nur fehleranfällig ist, sondern bei dem auch – so sagt es die Ministerin selbst – viel Geld im System versickert.