Die Preise für Rohöl und Benzin rauschen in diesen Tagen von Rekord zu Rekord, und Schuld sind vor allem mal wieder – so ist es überall zu lesen – die Spekulanten. Ihre Wetten auf den Preis für Rohöl treiben derzeit den Kurs. Wie lange noch?

Kursbewegungen, die mit fundamentalen Daten nicht zu rechtfertigen sind, gibt es immer wieder. Mal führen sie dazu, dass es zu Übertreibungen bei den Kursen kommt, wie zuletzt beim Reispreis oder jetzt beim Rohöl. Mal fallen die Kurse scheinbar ins Bodenlose. So sind Märkte nun einmal – irrational und oft nicht von fundamentalen Daten getrieben.

Die einfache Preistheorie, die unterstellt, dass sich Preise im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bilden, kann das nur begrenzt erklären. Zwar gibt es auch gute Argumente, warum der Rohöl-Preis derzeit steigt: Während die Nachfrage aus den USA leicht zurückgeht, steigt jene aus Asien deutlich. Zudem mehren sich Anzeichen, dass die weltweiten Förderkapazitäten kurzfristig ausgereizt sind. Das alles spricht für einen langfristigen Preisanstieg, erklärt aber noch nicht, warum der Ölpreis binnen eines Jahres um über 100 Prozent steigt. Hier kommen nun die Spekulanten ins Spiel. Was treibt sie um?

Grob lassen sie sich in zwei Gruppen unterteilen: Da gibt es jene, die bereits vor einem Jahr angefangen haben, auf Rohöl zu setzen. Sie streichen nun gute Gewinne ein und werden so für das Risiko belohnt, dass sie damals einzugehen bereit waren. Die anderen aber sind Investoren, die erst jetzt bemerkt haben, dass man nicht nur mit Aktien zocken kann, sondern auch mit Rohstoffen und Rohstofffonds. Letztere laufen Gefahr, sich bald die Finger zu verbrennen. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Preisanstieg in seine vorerst allerletzte Phase getreten ist.

Ein Indiz hierfür: Zuletzt sind die Kurse noch einmal rapide gestiegen, ohne dass Ölaktien diese Bewegung mit vollzogen haben. Viel spricht dafür, dass wir es mit einer sogenannten Dienstmädchenhausse zu tun haben, wie solche Phasen früher hießen. Weil es Dienstmädchen heute kaum noch gibt, könnte man auch von einer Studienratshausse sprechen. Sie tritt immer dann ein, wenn bei den sonst uninteressierten Gelegenheitsanlegern die Gier ausbricht - und sie auch noch Gewinne machen wollen.

Getrieben wird diese Entwicklung zudem von Argumenten, die keinesfalls neu und schon lange offensichtlich sind. Vor wenigen Wochen ging die große Mehrheit der Prognosen von fallenden Kursen aus. Nun scheinen sich die Häuser mit neuen Rekordvorhersagen übertreffen zu wollen. Das alles sind Anzeichen, dass sich der Trend in seiner letzten Phase befindet.

Solange es globale Märkte gibt, wird es immer wieder zu solchen Phasen kommen. Wollte die Politik hieran etwas ändern, läuft sie Gefahr, mehr Schaden anzurichten, als zu helfen. Natürlich können sich die Politiker zusammensetzen und Forderungen aufstellen. Nur wird das die Märkte kaum beeindrucken. Deshalb sollte die Politik lieber nicht eingreifen.

Sicher ist: Die Preise für Benzin und Rohöl werden irgendwann wieder fallen. Ein Gutes hat der hohe Ölpreis allemal: Er trägt dazu bei, dass wir bewusster mit der knappen Ressource umgehen. Das ist wirksamer als jede noch so sorgfältig geplante Werbekampagne von Umweltpolitikern, die Fachleute zu Anhörungen einfliegen lassen, um ihnen die Frage zu stellen, wie man den Verbrauch von Öl in Zukunft senken könne.