Der Bundespräsident hat auf dem Osnabrücker Katholikentag keine Rede gehalten, sondern Rede und Antwort gestanden. "Direkt und druckreif", wie sich die Frankfurter Allgemeine begeisterte. Zu Recht, wenn man sich an den Inhalt seiner Antworten auf die Fragen von Talkerin Maybrit Illner hält. Horst Köhler empörte sich über "die unglaubliche Arroganz der Europäer", die in Afrika ganze Kulturen vernichtet hätten.

Und auch über das Auftreten der Chinesen auf dem Schwarzen Kontinent, bei dem in Europa viele gleich mit dem Wort vom neuen Kolonialismus bei der Hand sind, hat der Bundespräsident eine klare Haltung: Er habe "noch keinen europäischen Kontraktor erlebt, der sich in Afrika anders verhalten hätte als Chinesen und Russen". Köhler setzt sich seit Langem in und für Afrika ein.

"Bei meiner ersten Reise nach Afrika", erzählte Köhler kürzlich dem Magazin Stern , "schenkte mir eine junge Frau in Mali eine kleine Plastikschale. Das war das Maß einer Wochenration Hirse für eine Schwangere. Im Jahr davor hatte ich in der Londoner City erlebt, wie sich junge Investmentbanker nach der Auszahlung ihrer Bonus-Vergütungen gegenseitig den Champagner über den Kopf leerten." Europäer sollten tatsächlich etwas zurückhaltender sein in ihrem (Vor-)Urteil über chinesisches Auftreten im neuen Eldorado.

Derzeit leben und arbeiten eine halbe Million Chinesen in Afrika, Tendenz rapide steigend, schreiben die Schweizer Journalisten Serge Michel und Michel Beuret in ihrer gerade erschienenen Recherche über "La Chinafrique" ( Chinafrika , im Pariser Verlag Grasset). Die Franzosen als ehemalige Kolonialmacht bringen es auf gerade mal Hunderttausend, rechnen die beiden Schweizer vor. Michel und Beuret beschreiben vor allen Dingen aber höchst anschaulich, worin sich die Chinesen in Afrika von den meisten Europäern in Afrika unterscheiden: Viele von ihnen rollen ihre Reismatte aus – und malochen genauso hart wie ihre afrikanischen Nachbarn.

In China selbst sehen die Mächtigen im Schwarzen Kontinent nicht nur ein gutes Geschäft und eine nützliche Rohstoffquelle, sondern auch ein Siedlungsgebiet für Millionen von Menschen aus dem Reich der Mitte. Ein bestürzendes, ja erschreckendes Szenario für eine gigantische Völkerwanderung, auch wenn diese Chinesen gewiss nicht nach Afrika ziehen, um dort zu hungern, sondern um besser zu leben.