Ob man sie "Kunsch" nennen könnte – jene gruselige Kreatur aus Kuh und Mensch, die angeblich demnächst aus britischen Labortüren wanken wird? Die abartige Vermischung von Zweibeinern und Rindviech, sie hat ja nun den Segen des Gesetzgebers im Vereinigten Königreich. Das Unterhaus stimmte am Montag für eine Herstellung von Hybridembryonen aus menschlichen und tierischen Zellen, voreilig "Chimären" genannt, damit auch klar wird, um welches Scheusal es hier geht. Und als ob das nicht schon erschütternd genug wäre, hat das Parlament gleich noch die Zeugung sogenannter Helfergeschwister erlaubt. Menschliche Embryonen, von denen nach künstlicher Befruchtung im Reagenzglas das am besten passende ausgesucht und dann ausgetragen wird, um kranken Brüdern oder Schwestern, wie es wieder vorschnell heißt, als "Ersatzteillager" zu dienen.

Es steht außer Frage, dass man sich dem Thema kritisch nähert, die ethische Berechtigung solcher Experimente und Handlungen infrage stellt. Doch was hier auf unappetitliche Weise vermischt und missbraucht wird, ist im Augenblick weniger die Menschenwürde oder der Embryo. Es sind die Vokabeln und die Argumente, und zwar vor allem im deutschen Lager der Kritik. Denn was die Abgeordneten im House of Commons nun scheinbar ohne Skrupel durchgewunken haben, hat mit dem viel zitierten Frankenstein genauso wenig zu tun wie mit ausgeschlachteten Kleinkindern oder kuhbekopften Zweibeinern.

Zunächst einmal zu den Chimären: Von solchen Mischembryos, die teils Mensch, teils Tier sind und sich allein aus der direkten Vermischung von embryonalen Geweben gewinnen lassen, spricht und schreibt man derzeit eigentlich nur in Deutschland. In Großbritannien dagegen dreht sich die Debatte um etwas anderes, um Hybride nämlich – Embryos, die mit Hilfe tierischer Eizellen gewonnen werden: Eine solche Eizelle, zum Beispiel aus der Kuh, wird vom eigenen Zellkern samt Erbgut befreit. In die leere Hülle setzt man einen Kern aus Zellen des Menschen, etwa aus der Haut. Das Verfahren ist letztlich dasselbe, das uns vor vielen Jahren das Klonschaf Dolly bescherte.

Der Embryo, der aus dem hybriden Klon erwächst, bleibt allerdings zu mehr als 99 Prozent humanen Ursprungs. Er muss laut britischem Gesetz nach spätestens 14 Tagen zerstört werden und darf auch nie in eine Gebärmutter eingesetzt werden. Und selbst wenn: Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus ein lebensfähiges Wesen entstünde, ist ohnehin vernichtend gering.

Aber auf solche fleischgewordenen Schöpfungen haben es die Wissenschaftler gar nicht abgesehen. Sie möchten, wenn überhaupt, Stammzellen aus den hybriden Zellhäufchen gewinnen, von Schwerstkranken oder aus genetisch verändertem Erbgut, um an diesen Zellen zu forschen und wichtige Erkenntnisse über unheilbare Leiden zu gewinnen. Der Vorteil der Hybride liegt klar auf der Hand: Die Alternative wäre - aus britischer Perspektive - die ethisch weitaus heiklere Nutzung von menschlichen Eizellen. Sie lassen sich nur aus gesunden Frauen gewinnen, die schwere Nebenwirkungen in Kauf nehmen müssten. Und am Ende stünde die gezielte Herstellung und Zerstörung von rein menschlichen Embryonen, die im Gegensatz zu den Hybriden klar lebensfähig wären.